Die Wege eines peruanischen Fotografen. | kleinstadtgross

Die Wege eines peruanischen Fotografen.

Fotos de Alexander Luna

Fotos de Alexander LunaEin peruanischer Fotograf, zwei (ehemalige) Passauer Studierende, eine Illustratorin aus Berlin und ein weitreichendes Kultur- und Kunstprojekt. In den letzen beiden Beiträgen zum Thema ging es um Crowdfunding und die Minenregion, die porträtiert werden soll. Hier soll es um den ursprünglichen Initiator des Projektes gehen: Alexander Luna. Wir haben bei seiner letzten Reise nach Cajamarca begleitet, bevor er zum Studieren von Lima nach Berlin aufgebrochen ist.

Das Crowdfunding-Geld ist mittlerweile eingesammelt und die Dankeschöns verteilt; circa 1500€ sind zusammen gekommen. Die werden jetzt in Reisen investiert, für Material ausgegeben und gespart. Denn: das Projekt steht erst am Anfang. Bis Ende nächsten Jahres sollen eine Ausstellung, ein Buch und eine Webdokumentation entstehen.
Die letzte Reise war hauptsächlich eine organisatorische. Bevor Alex für mindestens ein Jahr in Deutschland ist, mussten vor Ort noch ein paar Dinge geregelt werden. Und so liefen wir durch Cajamarca, trafen Verwandte von Hauptdarstellern der geplanten Dokumentation, lauschten dem Privat-Konzert eines landesweit bekannten Charango-Spielers und bekamen nebenbei erklärt, welcher Politiker des anstehenden Wahlkampfs sein Programm wo abgeschrieben hat. Alex kennt sich aus, das merkt man. Seit zwei Jahren kommt er her und beschäftigt sich mit dem Kampf gegen die Goldmine Yanacocha.

Ich habe vorher fast nichts über Cajamarca gewusst. Nur das Allgemeine, das alle wissen können. Ich weiß nicht, wie ich so tief in diese Sache gerutscht bin. Plötzlich war alles super interessant. Ich glaube es war etwas ganz automatisches. Nachdem ich zum ersten Mal zu Besuch war, habe ich beschlossen etwas dazu zu machen.

Fotos de Alexander LunaHast du was von den Menschen gelernt, die du getroffen hast?

Als ich zum ersten Mal in Deutschland war und in der FH angefangen habe, gab es ein dummes Missverständnis mit meiner ersten Vermieterin. Sie war nicht sehr nett und sagte mir: ‚Ja, nix ist umsonst auf dieser Welt!’ Ich fand das ein bisschen unverschämt. Und wenn ich jetzt die Leute in den Dörfern in Cajamarca treffe, dann erinnere ich mich immer daran, denn für diese Leute hat Gastfreundschaft überhaupt keinen Preis. Du kannst bei ihnen so lange bleiben, wie du möchtest, sie geben dir alles, was du brauchst und sie wollen überhaupt kein Geld dafür. In der Regel kennen sie dich gar nicht, aber sie heißen dich sofort willkommen.

Wie sind die Reaktionen bisher auf euer Vorhaben?

Bisher gibt es nur positive Reaktionen. Ganz viele Leute haben gesagt, dass sie das Projekt mögen. Wir bekommen E-Mails von Fotografie- und Filmstudenten, die fragen wie sie uns unterstützen können, wir sind sehr dankbar dafür. Allerdings müssen wir zunächst uns selbst gut mit den ganzen Aufgaben organisieren. Deshalb rate ich ihnen ihr eigenes Projekt auf die Beine zu stellen und ebenfalls eines der zahlreichen sozialen Probleme anzugehen.

Es sind eine Webdokumentation, ein Film, eine Ausstellung und ein Buch geplant; die Ausstellung für Mitte 2015 (zuerst in Deutschland, dann auch in Peru) und der Film für Ende 2015.

Für den Film brauchen wir noch ein bisschen Zeit, weil wir das Drehbuch grade noch optimieren. Ich glaube wir müssen noch mal nach Peru kommen nur zum Drehen. Aber die anderen Sachen des Projektes; die Ausstellung, das Buch und die Webseite, das läuft. Da geht’s weiter. Und besonders wichtig: die Arbeit mit anderen Organisationen. Wir müssen auf jeden Fall Organisationen finden, die mit uns arbeiten wollen. Das Ganze wird wohl ziemlich umfangreich.

Fotos de Alexander LunaWas ist Inhalt von dem Buch?

Beim Projekt geht es nicht unbedingt nur um das spezifische Problem mit diesem Bergbauprojekt, sondern die Leute sollen auch eine klare Vorstellung vom Kontext bekommen. Also, dem ganzen Kontext. Wie das Land aussieht, die Beziehung von Peru zu anderen Ländern, wenn es um Rohstoffe geht, was für eine Gesellschaft wir sind… Warum passieren solche Sachen? Wieso können fünf Personen erschossen werden ohne dass sich irgendwer dafür verantwortlich macht? In dem Buch muss das verankert sein. Durch Bilder, durch Texte und so weiter.

Bist du ein Kleinstadt- oder ein Großstadtmensch?

Es hängt von der Stadt ab. Ich muss noch herausfinden ob Berlin eine Kleinstadt ist, wenn man aus Lima kommt, aber ich glaube bei mir ist es eher wichtig, dass ich am Strand wohnen kann. Ich kann in beiden Arten von Städten wohnen, aber Surfen ist wichtig für mich.

Vielen Dank für den außergewöhnlichen Einblick und das Gespräch!

Aktuelles zum Projekt bei Facebook. Hier geht’s zu Alex im Internet. Und hier zum vorläufigen Blog.

Fotos de Alexander Luna- Text von Almuth Nitsch, Poster vom Projektteam-