Minen, Bären, Einschusslöcher – Warum den Balkan besuchen? | kleinstadtgross

Minen, Bären, Einschusslöcher – Warum den Balkan besuchen?

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Von den Alpen aus kann man bereits die überfüllten Strände Kroatiens sichten, an denen fette Touristen ihre Plauze gen Sonne recken und in überteuerten Restaurants an der Promenade weiter wachsen lassen. Sarajevos zerschossene Mauern beherbergen mittlerweile unzählige Hostels, chicky micky Bars und viele weitere Ausgeburten der westlichen Welt. Die Marihuanaplantagen von Lazarat im Süden Albaniens sind abgebrannt und Pristina ist ein chaotischer Plattenbau in dem sich die völlig überflüssigen Soldaten die Eier kraulen und mit dicker Wumme am Bein breitbeinig den Tag im Cafe verstreichen lassen.

Warum man von Passau mit dem Fahrrad bis nach Istanbul fährt und eigentlich der Balkan das Ziel ist:

IMG_4844-27Oma hat immer gesagt: “Im Osten gibt es nur Räuber und Halsabschneider”. Mein Urologe gab mir den Ratschlag ich solle viel Schmiergeld für die korrupten Behörden mitnehmen und sowieso warnt ein jeder vor dem Nachbarland. In Kroatien heißt es die Bosnier seien gefährlich und man solle sich vor den Bären und Wölfen in acht nehmen. Von den Mienenfeldern ganz zu schweigen. So zieht es sich hin und jedes Mal fährt man mit einem Kribbeln im Bauch über die Grenze, welches sich später als völlig unbegründet erweisst. Denn der Grund warum man in den Balkan fahren sollte sind die Menschen, die allesamt ein verrücktes und herzerwärmendes Wesen in einer von den Jugoslawienkriegen chaotisch anmutenden Welt darstellen. Dazu kommt eine atemberaubende Landschaft, durchzogen von Canyons, Hochebenen und Seen.

Zwei Freunde und ich haben Anfang August das Fahrrad gewählt, um von Passau über 12 Länder nach Istanbul zu fahren. Damit ist es nämlich fast unmöglich Gemüsehändler oder Wartende am Straßenrand zu übersehen bzw. von ihnen übersehen zu werden. Und auf einmal befindet man sich in einer bosnischen Moschee auf dem Teppich wieder und versucht wie alle anderen im Raum vorzutäuschen man verstünde Arabisch, trinkt Kaffee neben einem lebenden Braunbären oder hört sich Sinnfluttheorien in halb verfallenen Bauernhäusern an, während man mit gebratenen Kartoffeln und Maisbrot vollgestopft wird etc…

IMG_7119-61Mit dem Fahrrad zu reisen lässt dich das Land spüren. Es wird mit seinen Höhen und Tiefen erlebt, es bekommt ein Profil, welches man abends am Lagerfeuer in den Oberschenkeln spürt. Mit ziehenden Muskeln schaut man in die Flammen und versucht den Balkan zu verstehen… Warum ist das größte religiöse Gebäude in Pristina ein Dom, obwohl 98 % der Stadt muslimisch geprägt sind? In Passau wäre eine Moschee, die größer ist als der Dom undenkbar aber sicherlich schöner… Die Gesänge des Muezzin würden über die Flüsse hallen, das Gebimmel der Kirchen übertönen und den Bischof in den Wahnsinn treiben.

Warum also nochmal den Balkan bereisen?

Weil er unglaublich spannend ist und wir unsere Nachbarschaft in Ex-Jugoslawien noch nicht kennen. Noch immer denken viele an die Jugoslawienkriege zurück und trauen sich nicht so recht diese wundervollen Gegenden zu erkunden. Solange man nicht auf eine Mine oder einem der Bewohner auf den Schlips tritt, ist hier jeder Moment ein wertvoller! Alles was man braucht ist Zeit, nicht wirklich viel Geld, ein Fahrrad, mit dem man einen Berg rauf und wieder runter fahren kann, eine starke Leber und ein wenig Mut.