bruederbach.soundvision – ein Porträt in Text und Bild | kleinstadtgross

bruederbach.soundvision – ein Porträt in Text und Bild

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Feiern ohne Grund ist keine Kunst. Die Brüder Hendrik und Sebastian Bach machen arty Party. Mit einer Kombination von Musik und eigenen Visuals schaffen sie eine andere Welt, in die man tanzend eintauchen kann.

Die Brüder haben verschiedene Stationen hinter sich. Beim einen war es Reutlingen mit unerfüllendem Job und ein Studium der Filmmusik in Bonn. Beim anderen ein Zivi in Liverpool, eine angefangene Ausbildung zum Mediengestalter in Berlin und jetzt Passau. Gemeinsam trifft man sie als B.B Soundvision an. So zum Beispiel bei Plan B im Cubana letzten Mittwoch. Kleinstadtgroß hat den Abend in einem Video festgehalten. Anschließend haben wir die Jungs zum Frühstück getroffen um über ihren Hintergrund zu plaudern. Wir wollten wissen wie es dazu kam, was sie beeinflusst hat und wo die Reise hingeht.

KSG: Macht Passau Spaß?

Hendrik: Ich war vorher einige Zeit in Liverpool und in Berlin. Aus so einer Stadt wie Berlin nach Passau zu kommen ist ein krasser Wandel und ich konnte Passau vorher gar nicht einordnen. Jetzt fühle ich mich sehr wohl. Auch was hier für Möglichkeiten entstanden sind oder was die Leute für Chancen geben; das wäre woanders nicht so gewesen. Das Schöne ist, so klein die Stadt Passau auch ist, trotzdem hat sie sehr viel Kreativität.

KSG: Gab es da einen Impuls von euren Eltern, weil ihr ja schon beide in eine künstlerische Richtung geht?

Sebastian: Unsere ganze Familie ist sehr kreativ. Unser Vater hat Geige gespielt, unsere Mutter und unsere Schwester haben Akkordeon gespielt, unsere Cousins sind Musiker in der Rockszene, der nächste Cousin ist Schauspieler mit Deutschem  Fernsehpreis, die nächste tanzt, die nächste singt… Es ist schon so, dass die Bach-Seite sehr kreativ ist.

KSG: Ihr kommt aus Reutlingen. Fördert die Kindheit im schwäbischen Hinterland Kreativität oder Fluchtgedanken?

Sebastian: Wir haben gleich Instrumente in die Hand gedrückt bekommen. Da war ich auch erst mal kreativ. Mit 12 habe ich angefangen meine eigenen Klavierstücke zu spielen. Und dann wurde das aber mehr oder weniger von unserer Mutter unterdrückt, weil sie gesagt hat, du musst jetzt klassische Stücke spielen und nicht dieses Geklimper da. Daraufhin hab ich dann aufgehört. Weil ich eben nicht Beethoven und Bach spielen wollte. Ich wollte lieber was Neues machen. Die letzten Jahre, die ich da gewohnt habe, waren es eher die Fluchtgedanken.

Hendrik: Wobei uns in der Kindheit schon recht viel kreative Freiheit gelassen wurde. Bei mir war es eher, dass ich mir im Zimmer ein Fotostudio gebaut habe und angefangen habe Tonaufnahmen mit dem Kassettenrekorder zu machen. Und dann mal im Garten ein eigenes Kino bauen wollte. Und lauter so Sachen.

KSG: Gab es erste Begegnungen mit euren Leidenschaften?

Sebastian: Ich wollte lustigerweise schon als ganz junger Typ Plattenspieler haben und auflegen. Ich habe so eine Zeitung gehabt und zwei Plattenspieler und einen Mixer gesehen. Und das wollte ich immer haben. Aber es war zu teuer. Meine Eltern haben nicht gesagt, komm wir kaufen jetzt dem 10-Jährigen zwei Plattenspieler und einen Mixer. Den Traum habe ich mir erst vor einem Jahr erfüllt. Die Begegnungen gab es aber schon ganz früh. Dann hat es sich aber erst mal aus den Augen verloren.

Hendrik: Ich habe relativ früh angefangen irgendwelche Sachen zusammenzuschneiden. Als wir unsere Abitursfeier hatten, habe ich einen Film gemacht mit Interviews von verschiedenen Lehrern und noch kleine Geschichten zur Umrahmung. Und in diesem Augenblick saß ich da in einem Saal mit 700 Leuten. Und das Gefühl, wie die Leute auf den Film reagieren, das war so schön, dass ich mir dachte, das will ich eigentlich in meinem Leben machen.

KSG: Was war eure erste CD oder Kassette?

Sebastian: Metallica. Hat mir einer kopiert. Von seiner Kassette. Hab ich Metallica gehört.

Hendrik: Wir waren da in so ganz verschiedenen Richtungen unterwegs. Bei mir war es das Doppelalbum HIStory von Michael Jackson. Das war immer das Schreckliche, weil er nebenan Slipknot gehört hat und ich saß da mit Michael Jackson.

KSGWie ist ‘Ich befuerchte ich bin wach’ entstanden?

Hendrik: Die ganzen letzten Jahre haben dazu beigetragen, dass es so ist. Liverpool, Berlin. Die ganzen Besuche und gewisse Partys, die wir zusammen erlebt haben. Als wir in Berlin auf Veranstaltungen waren, bei denen es Visuals gab, haben wir schon immer gesagt, dass es geil wäre was eigenes zu machen. Aber wir haben uns nie getraut.

Sebastian: Ich habe nach einer Auszeit beschlossen Filmmusik zu studieren, weil mir klar geworden war, dass ich im meinem Leben irgendwas mit Musik machen möchte. Und ein paar Wochen später war ich in Bonn und dann ging es los. Während dieser Zeit, war ich spazieren und da lag auf einem Tisch ein Flyer rum. Und da stand einfach nur: Ich befürchte ich bin wach. Und so ein Viereck war da noch drunter. Und da hab ich gedacht, cool, das denke ich auch grade jeden Tag und hab den Flyer mitgenommen. Dann war der Satz einfach mal da. Irgendwann kam dann der Gedanke mit dem Auflegen und dann ist mir dieser Satz wieder eingefallen. Mittlerweile wissen wir auch wo der Spruch herkommt. Aus einem Buch von Tino Hanekamp, ‘Sowas von da’ und das startet eben so. Das witzige ist: in diesem Buch geht es um eine Party.

KSG: Habt ihr Vorbilder?

Hendrik: Woodkid. Woodkid ist eine Inspirationsquelle von uns. Das läuft seit einem Jahr in Dauerschleife. Er hat ja auch so ein bisschen das Düstere, das Melancholische.

Sebastian: Dann kommt aber noch dieses elektronische Zeug von Berlin dazu, diese ganze Tech und Deephouse-Szene, was mit Woodkid jetzt wieder nix zu tun hat. Und dann lieben wir beide Filmmusik und die Idee war, dass wir Filmmusik mit elektronischer Musik verbinden.

KSG: Ihr wollt die Leute mitnehmen an einen anderen Ort. Wo ist der? 

Sebastian: Wir wollen eben nicht, dass die Leute nur herkommen um fröhlich einen zu saufen. Das gehört natürlich auch dazu. Aber dass sie auch mal ein bisschen überlegen. Oder ins Nachdenken kommen.

Hendrik: Einfach mal bewusst an einem Moment irgendwo zu sein. Die Leute gehen heute nicht feiern, weil sie was zu feiern haben. Bei uns geht es eher darum, dass man vielleicht einen Grund für sich entdeckt.

Sebastian: Am Mittwoch war die erste Veranstaltung, die voll war und wo die Leute einfach ausgerastet sind. Sich gefreut haben und nicht nur besoffen dagestanden sind. Am Mittwoch hatten wir das Gefühl, dass es sich ausgezahlt hat.

KSG: Habt ihr ein Erfolgsrezept?

Sebastian: Als wir damit angefangen haben, war uns schon klar, dass man nicht nach zwei Veranstaltungen zum Star wird. Uns ist auch bewusst, dass das 5 bis 10 Jahre oder auch länger dauern kann, bis man seinen Durchbruch erlebt. Es hat ja eigentlich schon geklappt. Vor einem dreiviertel Jahr stand ich in so einer mini Bar und es hat kein Schwein interessiert, dass ich da Musik auflege. Und jetzt haben wir einen Club mit 300 – 400 Leuten voll gemacht. Und selbst wenn der Durchbruch nicht kommen sollte, dann kann ich wenigstens in den älteren Jahren sagen: Ok, ich hab aber gemacht, was mir Spaß macht. Und zwar immer. Und nur. Und ich würde jedem raten das zu versuchen.

KSG: Klein- oder Großstadtmensch?

Sebastian: Ich glaube, ich bin beides. Ich mag es total gerne auf dem Dorf zu sein, wo es total ruhig ist. Aber ich brauche ab und zu auch einfach ein bisschen Trubel. Dann bin ich aber auch wieder froh, wenn ich vom Trubel wieder weg bin.

Hendrik: Wohnen in einer Kleinstadt. Und ab und zu in einer Großstadt sein. In der Nähe von einer Großstadt wohnen. So wie Passau und München.

KSG: Wie bedanken uns vielmals für das Gespräch, die Party und das Kennenlernen.

 

B.B Soundvision – Deep House und Video Art (Kleinstadtgroß) from Kleinstadtgroß on Vimeo.

– Text von Almuth Nitsch, Video von Thomas Maluck und Fabiano Nitsch -