CSC 205 – ein cannabishaltiges Luftschloss in Passau | kleinstadtgross

CSC 205 – ein cannabishaltiges Luftschloss in Passau

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Die Legalisierung von Cannabis wird derzeit heißer diskutiert als je zuvor. Bayern ist das erste und bisher einzige Bundesland, in dem ein Volksbegehren zum Thema läuft. Eine Frage, die sich in diesem Rahmen gestellt hat, ist: Wie sollen Anbau und Verkauf geregelt werden, wenn die Legalisierung dann da ist? In ganz Bayern haben Vereine beschlossen nicht auf die Politik zu warten, sondern beschlossen den Prozess voranzutreiben, in dem sie einfach schon mal eine Lösung präsentieren: Die Cannabis Social Clubs (CSC). Und Passau ist ganz vorne mit dabei. Wir haben mit Ümit Lässig und Matthias Breitenfellner (bereits bekannt als örtliche Growshop-Pioniere) gesprochen, die zu den Gründungsmitgliedern des CSC Passau Ost gehören.

Was ist ein Cannabis Social Club?

Die deutsche Legislative wird sich im Falle einer Legalisierung höchstwahrscheinlich nicht mit Fragen der Infrastruktur wie der Produktion, der Lagerung und dem Vertrieb auseinandersetzen wollen. An dieser Stelle wäre der CSC dann das nötige Bindeglied. Er würde sich um Anbau, Protokollierung und geregelte Steuerabgaben kümmern. Ümit meint dazu nur: “Der Gesetzgeber wird sicherlich mit solchen Ansprüchen kommen: Ihr braucht einen Sicherheitsdienst rund um die Uhr. Ihr braucht ein Safe um den ganzen Kram zu lagern… Wir sind bereit.”

Die Idee des Cannabisvertriebs über CSCs stammt aus Portugal und Spanien und ist dort schon sehr etabliert. In Bayern soll es in erster Linie auch ein Druckmittel sein. “Da machen wir uns auch nix vor. Diese ganzen Vereine wurden gerade auf Seifenblasen gegründet. Sprich: Im Endeffekt gründen wir einen Verein, dessen einzige Intention der Anbau und der Vertrieb von Cannabisprodukten ist. Und das ist in unserem Rechtsstaat momentan de facto nicht möglich. Das sind Luftschlösser, die wir grade gründen. Aber diese Luftschlösser sind im Endeffekt ein Politikum um dann zum Landtag zu gehen und zu sagen: Wir haben hier eine Möglichkeit für euch Steuereinnahmen zu generieren. Wir brauchen dafür nur eine Ausnahmegenehmigung.”

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Im Zuge der Growshop-Eröffnung in Tiefenbach haben Matthias und Ümit sich gedacht: Wenn nicht wir und nicht drum kümmern, wer dann? Aus wirtschaftlichen Gründen haben sie ein berechtigtes Interesse an der Legalisierung von Cannabis. Gleichzeitig haben sie als Ingenieur und Außenhandelskaufmann einen völlig anderes Image als der gemeine Kifferstereotyp. Der CSC Passau Ost wurde vor circa acht Wochen mit sieben Mitgliedern gegründet und ist einer von 90 bayernweit möglichen Vereine.

Wie funktioniert ein Cannabis Social Club?

Die Aufgaben eines CSCs sind es Cannabis anzubauen, zu kontrollieren und zu verkaufen. Die Vereinsmitglieder zahlen monatliche Beiträge und finanzieren damit in erster Linie das Marihuana für medizinisch bedürftige Menschen. In zweiter Linie wird ihr eigener Konsum gedeckt. Der Staat bekommt dafür Steuern und muss sich um nichts kümmern.

Warum ist das “Social”?

Das “Social” im Namen des Clubs kommt nicht von der sozialen Komponente gemeinsam Drogen zu konsumieren, sondern viel wichtiger: “Es gibt so viele Menschen, die das medizinisch brauchen.” Die Growshop-Betreiber haben in der letzten Zeit die Erfahrung gemacht, dass immer wieder Menschen Rat zu dieser Thematik suchen. “Es gibt momentan so viele medizinische Ausnahmepatienten, die keine Medikamente bekommen, weil das ein Monopolismus ist. Die beauftragten Firmen können einfach nicht genug liefern.” Die CSCs arbeiten gegen die monopolistischen Strukturen. Statt dessen wird regional und lokal gedacht: der Anbaurat eines Clubs weiß wie viele Mitglieder er hat und kann dementsprechend viel anbauen. So kann er beispielsweise CBDhaltigen, statt THChaltigen Sorten den Vorzug geben. Erstere sind nachweislich für die Behandlung von Psychosen, Schmerzpatienten und Epilepsie geeignet.

Was passiert als Nächstes?

Nach dem Sammeln der nötigen Unterschriften für die Volksabstimmung werden die derzeit bestehenden CSCs mit 270 Beteiligten Mitte August zum bayrischen Landtag gehen. Dorthin begleitet werden sie vom deutschen Hanfverband. In dem Aufwasch präsentieren sie eine Lösung für den Vertrieb und fordern gleichzeitig eine Ausnahmegenehmigung. “Das sind dann nicht mehr nur zwei, drei Hippies, sondern das ist eine Masse.” Die Öffentlichkeit wird massiv involviert. Folglich sollte es der CSU schwerfallen, das Begehren im Papierschredder verschwinden zu lassen.

Die beiden Herren Lässig und Breit

Die beiden Herren Lässig und Breit


- Text von Almuth Nitsch, Fotos von Thomas Maluck -

2 Responses to “CSC 205 – ein cannabishaltiges Luftschloss in Passau”

  1. Rosenberger Hubert

    In Österreich sind bereits in vielen Bundesländern CSC (Cannabis-Social-Clubs) installiert und auch von den Bezirkshauptmannschaften genehmigt. Bin gerade dabei eine ethnomedizinische Bestandsaufnahme in komprimierter, leicht verständlicher Form zusammenzustellen. Werde diese auch den CSC kostenlos, ohne Copyright gerne zur Verfügung stellen.
    Auf facebook könnt ihr auch die aktuellen Links vom Hanf-Institut herunterladen.
    Das Vorwort ist bereits fertig:
    Vorwort Hanf auch als Heilmittel!
    Dank der ACHTSAMKEIT von den weisen Praktikern, Schamanen, spirituellen Lehrern, Quer-Denkern und auch Menschen wie du und ich, die eine aufschlussreiche Erfahrung gemacht haben, können wir geistig lichtvolle, erweiternde Erkenntnisse gewinnen, über höhere und tiefere Aspekte der menschlichen Intelligenz aus den Erfahrungen ihres Lebens.
    Wenn, wie derzeit wieder einmal die Zukunft düster aussieht, wird die geistige intuitive lichtvolle Motivation voranschreiten, auch wenn es noch so sinnlos erscheint, können wir doch auf jene zurückblicken, die gelebt haben und noch leben. Menschen die einen grossen Erfahrungsschatz und eine geistig, intuitive innere Weisheit und Wahrheit besitzen, haben sie durch ihre eigenen persönlichen Erfahrungen realisiert!
    Ein menschliches Wesen ist ein Teil eines Ganzen, bei uns genannt Universum, ein Teil, beschränkt in Zeit und Raum. Es erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als etwas Getrenntes vom Rest… eine Art optische Täuschung seines Bewusstseins.
    Diese Täuschung ist eine Art Gefängnis für uns, die uns einschränkt in Bezug auf unsere persönlichen Wünsche und die Zuneigung für wenige Personen aus unserem näheren Umfeld. Unsere Aufgabe muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir unseren Kreis des Mitgefühls erweitern, um alle Lebewesen und die ganze Natur in ihrer Schönheit zu umarmen.
    ~ Albert Einstein

  2. Floh Söllner

    Ein schöner und informativer Artikel! Eine Anmerkung hätte ich aber doch: Das “Social” in CSC steht sehr wohl für die soziale Komponente, auch dafür gemeinsam Cannabis zu konsumieren. Wir haben es nicht nötig uns da hinter den PatientInnen zu verstecken. Wir sind (auch) Genußkiffer, und das ist gut so!

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