Über stadtweites WLAN, mündigen Umgang mit Technik und Klischees – ein Gespräch mit dem Computerverein Passau | kleinstadtgross

Über stadtweites WLAN, mündigen Umgang mit Technik und Klischees – ein Gespräch mit dem Computerverein Passau

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logoDer Computerverein Passau, kurz compass, besteht seit Juni 2013 und möchte Laien und Technikaffinen eine gemeinsame Basis für technische Abenteuer bieten. Angedacht sind Projekte wie Vorträge zur IT-Sicherheit, Computersprechstunden und Programmierworkshops.

Obwohl der gemeinnützige Verein im weiteren Uniumfeld entstanden ist, möchte er einen größeren Kreis spannen und die Lücken zwischen Schule und Uni oder Uni und Berufstätitgkeit schließen. Wir haben mit dem Vorstandsvorsitzenden Severin Neumann gesprochen.

Kleinstadtgroß: Wer steckt hinter dem Computerverein Passau? Was ist der Leitgedanke?

Severin: Die Idee des Vereins ist es, eine Plattform für jeden zu schaffen, der im gemeinnützigen Bereich was mit digitaler Technologie machen will. Es geht los beim Laien, der sich an uns wendet, weil er irgendwelche Probleme hat. Bis hin zur Vernetzung von Leuten, die sich tiefergehend für die Thematik interessieren und den Verein nutzen wollen, um Projekte auf die Beine zu stellen. Gegründet haben wir ihn mit 17 Leuten, mittlerweile sind wir 32. Die Mitglieder setzen sich zusammen aus Studenten, berufstätige IT-lern, Schülern, aber auch Leute, die mit IT gar nix am Hut haben.

KSG: Computerverein klingt ein bisschen nach: Im Keller vor großen Monitoren sitzen, sich möglichst zeitsparend ernähren, wenig Bewegung und keine Freunde. Sind die Klischees veraltet? In wie weit kommt ihr diesen Klischees nach?

Severin: Das wir alle viel Zeit vor unseren Rechnern verbringen ist klar. Was sicherlich nicht stimmt ist, dass wir keine Freunde haben. Wir bedienen sicherlich einige Klischees. Das eine Mitglied vielleicht mehr als das andere. Aber man merkt in den letzten Jahren auch, dass das Nerd-Sein im Mainstream angekommen ist. Es ist schon eher was Tolles. Von daher mache ich mir um diese Klischees eigentlich keine Sorgen. Manche bedient man eben einfach.

Der Compass-Vorstand

Der Compass-Vorstand

KSG: In euren Zielen steht, ihr wollt ‚in der Stadt und im Landkreis Passau einen mündigen, verantwortungsvollen, aufgeklärten und kreativen Umgang mit Technologie fördern‘. Was versteht ihr unter dem mündigen Umgang mit Technik?

Severin: Der mündige Umgang mit Technik ist ein sehr großer Begriff. Es geht im Endeffekt darum festzustellen, dass wir alle heute sehr viel mit Technik umgehen. Was aber immer wichtiger wird zu wissen ist: was steckt da eigentlich an Technologien dahinter? In den letzten Jahren gab es immer irgendwelche Themen: Im Moment ist es die NSA-Affäre, vorher war es der Bundestrojaner… Man kann sich eben nicht einfach hinsetzten und bei Facebook schreiben, was man will. Auf der anderen Seite geht es für uns Experten darum, unser Wissen auch verantwortungsvoll einzusetzen. Technologien bergen natürlich auch immer große Gefahren. Ich bin als technisch Versierter dazu in der Lage, Leute abzuhören oder Informationen zu sammeln, die mich nichts angehen. Da geht es darum das richtige Bewusstsein zu schaffen. Sowohl als Benutzer, als auch als Entwickler.

KSG: Workshops und Projekte für junge Menschen sind Teil eures Bildungskonzepts. Dieses Jahr soll eine Jugendgruppe im Zeughaus starten. Was soll da passieren?

Severin: Im Prinzip geht es darum ein Hardware-Hacking-Projekt zu machen. Für Jugendliche, die Spaß am Programmieren und an Basteleien haben. Die Idee, die sich im Moment entwickelt, ist, fernsteuerbare Autos zu bauen und im zweiten Schritt zu überlegen, was man damit machen kann. Zum Beispiel bringe ich zwei Fahrzeugen bei sich zu folgen oder einer Linie nachzufahren … der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Das ist ja der Gedanke hinter dem Hacking. Man experimentiert rum, hat eigene Ideen und ist an kein Skript gebunden. Wir haben ein paar Leute, die da fit sind und das grade auf die Beine stellen.

KSG: Letzten Herbst gab es vom Verein eine Auftaktveranstaltung mit dem Namen Cryptoparty. Was ist die Idee dahinter?

1369262979Severin: Das Konzept einer Cryptoparty ist es, in die breite Masse zu kommunizieren, was die Gefahren, Herausforderungen aber auch Chancen des Internets sind. Oder auch von Verschlüsselung und Datensicherheitstechniken. Und wir haben uns für den Klassiker entschieden verschiedenen Ständen zu Themen wie sichere Passwörter, Kryptographie, Mails verschlüsseln, Festplattenverschlüsselung und WLAN-Sicherheit zu machen. Wir hatten letztes Jahr 70 Besucher. Was für eine Kickoff-Veranstaltung ein sehr cooles Ergebnis ist.

KSG: In eurem Wiki liest man so schöne Dinge wie ‚Programmieren für einen guten Zweck‘, ‚Hardwareverleih im Zeughaus‘ oder aber auch ‚Stadtweites WLAN für Passau‘. Wann kommt letzteres?

Severin: Das ist so ein kleiner Traum von uns, aber im Endeffekt ein Monsterprojekt. Die größte Schwierigkeit dabei ist nicht die Technologie, sondern der rechtliche Rahmen. In Deutschland gibt es das Problem der Störerhaftung. Wenn ich ein WLAN betreibe und jemand Unfug darüber macht, dann hafte ich als Betreiber dafür. Es gibt Möglichkeiten sich da außen rum zu bewegen. Eine davon ist, die Verbindung über ein anderes Land aufzubauen, in dem diese Störerhaftung nicht gilt. Oder man kooperiert mit einem Telekommunikationsanbieter, den diese Haftung nicht betrifft. Wir haben das Projekt allerdings zu Gunsten anderer Themen hintenangestellt. Es ist nicht vom Tisch, hat aber im Moment eher eine niedrigere Priorität.

KSG: Was sind die nächsten Planungen? Was die kurzfristigen und langfristigen Visionen?

Severin: Kurz- und mittelfristig ist das Jugendprojekt das große Thema. Und vielleicht machen wir im Herbst nochmal eine Cryptoparty. Langfristig gesehen haben wir in unserem Wiki sehr viele Ideen und wenn wir mit der einen Idee fertig sind, werden wir an der nächsten arbeiten. Dazu gehören dann Dinge wie das Stadt-WLAN, Programmieren für einen guten Zweck oder Vortragsreihen.

KSG: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen viel Erfolg bei der weiteren Arbeit!

- Text von Almuth Nitsch, Bilder vom compass & Cryptoparty -