Ficken für den Regenwald – mit den ‘besserwissern’ im Kino | kleinstadtgross

Ficken für den Regenwald – mit den ‘besserwissern’ im Kino

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Die besserwisser eG, Netzwerk für nachhaltigen Lebensstil, präsentiert ab sofort jeden Monat einen Film im ScharfrichterKino. Los ging es diese Woche mit “Fuck for Forest” – Ficken für den Regenwald. Der Film begleitete ein Kollektiv ungewöhnlicher Gestalten, das versucht mit Sex die Welt zu verbessern.

Seinen Anfang genommen hat alles, wie so vieles, in Berlin. Zwei Menschen sind empört über das verdrehte Weltbild von Sexualität und Liebe. Wenn Sex schon dazu verwendet wird allerhand schlechter Produkte zu verkaufen, warum dann nicht mal für was Gutes? Ficken für den Regenwald. Sie beginnen Fotos zu machen und Videos zu drehen: Aktfotografien, Nacktbilder auf Bäumen, Amateurpornos. Gegen Spende zu sehen auf ihrer Homepage: fuckforforest.com. Aus zwei werden schnell mehr Menschen: Darsteller werden auf der Straße angeworben, im Park fotografiert oder zu Gruppensex in die WG eingeladen. Das Geld, was über die Homepage erwirtschaftet wird, wird gebunkert für ein Stück Regenwald. Die WG selbst lebt aus Containern, findet ihre Klamotten im Müll und gibt Konzerte. Als eine Anfrage aus Südamerika kommt, bricht die ganze Crew auf, um mit ihrer sechstelligen Summe Geld gegen das Waldsterben anzutreten.

Der Regiesseur Michał Marczak begleitete die Truppe drei Monate lang durch Norwegen, Berlin und das Amazonasbecken. Dabei ist ein Film entstanden, den kein Drehbuch besser hätte formulieren können. Marczak selbst ist immer hinter einer Handkamera versteckt. Gezeigt wird was passiert ist. Dem Zuschauer bleibt wenig verborgen: Das Weinen eines Aktivisten, weil seine Familie sich von ihm distanziert, das Heimkind, dass sich an seinem 18ten Geburtstag von der Gruppe vor der Kamera liebkosen lässt, der berühmte Opernsänger, der für FFF gerne mal seinen Schwanz raushängen lässt. Eine Erzählerstimme stellt Akteure vor und erklärt Hintergründe. Szenenweise wird das Geschehen von Musik untermalt, meist mit musikalisch anspruchslosem Gitarrenspiel, Trommeln oder Gesang.

Fazit: Es gibt schöne Menschen zu sehen, manchmal haben sie Sex, manchmal nicht. Mal fahren sie mit einem Boot über den Amazonas, mal auf Rollschuhen durch Berlin. Um zu verstehen was sie da tun und warum sie es tun, muss man sich vermutlich so sehr mit ihrer Kultur auseinanander setzen, wie sie es mit den südamerikanischen Naturvölkern hätten tun sollen, bevor sie losgeflogen sind. Alles in allem großes Kino für unsere Kleinstadt. Und zum Sound der Blaskappele von nebenan verlassen wir das Kino.

Weitere Vorstellungen im ScharfrichterKino:
08. November, 23.00 Uhr
09. November, 23.15 Uhr
15. & 16. November, 23.00 Uhr

- Text von Almuth Nitsch, Foto von Thomas Maluck -