Frau Dunschn – ein Hostel für Passau | kleinstadtgross

Frau Dunschn – ein Hostel für Passau

Frau Dunschn Passau

Frau Dunschns InnenhofSeit über vier Monaten ist Passau um eine Lokalität reicher: mit Frau Dunschn hat sowohl ein Hostel, als auch ein veganer Imbiss eröffnet. Was wir uns im April noch für Passau gewünscht haben, ist kurze Zeit später schon Wirklichkeit geworden. Etwas versteckt lädt das Hinterhaus am Anfang der Fußgängerzone zum langen oder kurzen Verweilen ein.

Wo ist Frau Dunschn?

Wenn man den Eingang zwischen der Buchhandlung Rupprecht und der Apotheke erstmal gefunden hat, lässt man den Trubel der Stadt ganz schnell hinter sich und erreicht einen grünen Innenhof. Im Erdgeschoss ist der vegetarisch-vegane Imbiss untergebracht. Im Stockwerk darüber können bis zu 14 Reisende nächtigen. Ganz leicht zu entdecken war es nicht, doch jetzt ist die Lage perfekt: Mitten drin und doch irgendwie weit weg von allem.

Was ist Frau Dunschn?

Ins und Martin von Frau DunschnIn den letzten Jahren gab es zwar an verschiedenen Stellen von Passau den Versuch Hostels zu eröffnen, doch wirklich dauerhaft hat sich keines davon gehalten. Die Gründe sind wohl die gleichen, die auch Ines und Martin bei der Immobiliensuche Schwierigkeiten machten: alles was über den Fluss oder auf dem Berg liegt, ist psychologisch schon zu weit entfernt um noch attraktiv zu sein. Alles andere ist zu teuer. Doch durch Glück und ausgiebige Suche haben die beiden vor anderthalb Jahren ein bezahlbares Ladenlokal mit angrenzender Wohnung in Traumlage gefunden. Seit Anfang 2015 konnten sie die Räumlichkeiten beziehen und renovieren: Wände wurden eingerissen und neu gezogen, neue Rohre verlegt, Bäder eingebaut… Martin: „Was wir vielleicht ein bisschen unterschätzt haben, war wie lange es dauert Sachen zu bauen. Handwerker stehen halt nicht immer für einen bereit, wenn man sie grade braucht.“ Unterstützt wurden die Arbeiten von Freunden und Familie der beiden. So entstanden zum Beispiel selbstgebaute Betten, ein Garten im Hof, eine einzigartige Eckbank. Ines: „Die große Hilfsbereitschaft war extrem schön. Ich glaube, sonst hätten wir immer noch nicht geöffnet.“ Während sich Martin ganz dem Projekt Hostel-Imbiss widmet, arbeitet Ines nebenbei an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen und für den Verein _erinnern.at_ in Österreich. Die Idee ein Hostel zu eröffnen, hatten die beiden schon länger. Genauso wie die Idee einen Imbiss zu eröffnen. Oder eine Buchhandlung. Dass es letztendlich eine Kombination aus Essen und Schlafen geworden ist, war eher Zufall. Und in diesem Haus hat es sich als wunderbare Kombination herausgestellt.

Frau Dunschn kocht mit Liebe und Verstand.

Mittagsmenü bei Frau DunschnIm Erdgeschoss wird jeden Tag leckeres, frisches Essen zubereitet. Die Zutaten dafür kommen hauptsächlich vom Markt, aus dem Garten oder dem Bio-Laden. Die vegan-vegetarische Speisekarte wird gut angenommen und das etwas langsamere ‚Fast-Food’ zu Gunsten des Geschmacks und der Qualität gerne in Kauf genommen. Der Imbiss ist von Montag bis Samstag geöffnet und bietet jeden Tag, zusätzlich zur regulären Speisekarte, ein Mittagsmenü bestehend aus zwei Gerichten. Die aktuellen Kreationen finden sich am Abend vorher auf der Homepage. So können beispielsweise auch spontan vorbeigebrachte Köstlichkeiten noch gut eingebaut werden.

Frau Dunschn schläft gut.

Hinzu kommt das günstige Übernachtungs- und Ausruhangebot für Reisende im ersten Stock. Martin und Ines sind in ihrem Leben genug unterwegs gewesen um eine Vorstellung davon zu haben wie ein Zuhause zum Wohlfühlen auf Reisen aussehen könnte. An die jetzige Immobilie angepasst konnten sie zwar (noch) nicht all ihre Wünsche erfüllen, sind aber schon sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Sie betreiben das Hostel im kleinen aber feinen Stil: es gibt ein großes und ein kleines Zimmer. Im großen Zimmer haben bis zu acht Menschen in vier Mega-Stockbetten und einem extra Bett Platz. Im kleinen Zimmer wartet ein Doppelbett und ebenfalls ein Bett extra. Dazu gehört jeweils ein frisch renoviertes Bad. Frühstück können die Gäste auf Wunsch dazubuchen, WiFi ist für alle Gäste kostenlos vorhanden.

Wer ist Frau Dunschn?

Über den Namen des Imbiss-Hostels sind schon einige Gerüchte im Umlauf. War Frau Dunschn vielleicht eine berühmte Passauer Köchin in den 20er Jahren, eine bayrische Feministin im 19. Jahrhundert oder handelt es sich um das Frauenporträt an der Fassade des Hauses?! Martin und Ines halten sich aus der Gerüchteküche lieber raus: „Irgendwie ist uns der Name halt zugeflogen.“ Die beiden haben sich in Passau kennengelernt. Martin ist hier geboren und Ines zum Studieren hergekommen und geblieben. Woher sie Frau Dunschn kennen, bleibt wohl ihr Geheimnis.

Wovon träumt Frau Dunschn?

Mehrbettzimmer bei Frau DunschnDa die Bauarbeiten die Eröffnung immer wieder verzögert haben, waren die Betreibenden froh die Türen überhaupt erstmal für Gäste öffnen zu können. Aber es mangelt nicht an Visionen, die in den kommenden Monaten und Jahren noch umgesetzt werden sollen. Martin: „Es gibt natürlich noch viele kleine Dinge, die wir gerne hätten. Angefangen mit Hängematten, Liegestühlen und Sandstrand… Da gibt’s sicher Sachen, die wir noch ausbauen und versuchen wollen.“ Für Wünsche wie Arbeiten-gegen-Essen oder Arbeiten-gegen-Schlafen wurde bisher nur noch keine unkomplizierte Lösung gefunden. Dafür sind die Vorschriften für die Küche zu streng geregelt. Perspektivisch ist auch geplant, dass dort noch mehr Menschen arbeiten können. Das Ganze sollte nicht auf zu-zweit-bleiben ausgelegt sein. Auch die Organisation würden sie lieber an ein Kollektiv übergehen lassen, als sie zu zweit zu stemmen. Das Konzept soll offen bleiben und wachsen können. Ines: „Es wäre natürlich cool auch eine Küche fürs Hostel zu haben, in der die Leute sich was kochen können. Aber dafür hat Frau Dunschn im Moment einfach andere Qualitäten.“ Spätestens zur nächsten warmen Saison wird es Leihfahrräder für die Gäste geben. Das Essensangebot soll zukünftig noch ausgeweitet werden. So ist zum Beispiel ein größeres Angebot an glutenfreiem Essen im Gespräch. Nichts ist in Stein gemeißelt und die Köpfe noch immer voller Ideen.

Den aktuellen Speiseplan und Preise der Übernachtungen gibt es auf der Homepage. Außerdem freut sich Frau Dunschn über Freunde im echten (Montag bis Samstag 10 bis 19 Uhr, Ludwigstraße 18) und im virtuellen Leben (immer, hier: Facebook).

– Text von Almuth Nitsch, Bilder von Thomas Maluck -