Visionen für Passau – eine Kurzfilmwanderung | kleinstadtgross

Visionen für Passau – eine Kurzfilmwanderung

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„Ich würde gerne ein Wanderkino organisieren“, sage ich.
„Warum sollte ein Kino wandern können?“, fragst du.
Du bist dann aber trotzdem mitgekommen.

Die Nacht war dann so lau wie wir sie uns gewünscht hatten und die Leute anfangs auch ohne Alkohol gut gelaunt. Später dann mit. Aber so sind sie halt. Daniel hatte mir bei der Suche nach Steckdosen und netten Anwohner geholfen. Ein Generator hätte die ganze nächtliche Romantik zerstört. Mit Technik bepackt, erwarteten mein Bollerwagen und ich dann potenzielle Kinowanderer. Der Haufen, der sich schließlich am Exerzierplatz zusammenfand, ähnelte mehr einer Schlafanzugparty als einer halbseriösen Kultur-Veranstaltung. Die Menschen waren unserem Aufruf gefolgt und die meisten von ihnen trugen unter dem einen Arm einen Stapel Decken oder Kissen und unter dem anderen eine Flasche Wein.

Und dann wanderte das Kino los.

Der Bollerwagen kämpfte mit dem Kopfsteinpflaster der Altstadt und genoss die geraden Strecken an den Flüssen entlang. Vom Uni-Innenhof in die Innstadt, am Kirchplatz vorbei bis zu einer dunklen Ecke des Domplatzes. Bilder flatterten über weißschmutzige Wände und luden immer mehr Leute zum Verweilen ein. Szenen des Abschieds, Szenen der Versöhnung, Schlachtfeld-Szenarien – all das breitete sich vor unseren Augen aus. Der Beamer tat sein bestes und die Lautsprecher krächzten freudig in die Nacht, gerade so laut, dass sich kein Nachbar beschweren wollte. Wir rumpelten weiter, an der Donau entlang, bergauf, bergab, treppenumgehend, immer bis zur nächsten Wand, bis zum nächsten Kurzfilmwunder und Freiluftkinomoment.

Mit Filmmusik im Ohr nach Hause.

Betrunken von frischer Luft, schlechtem Wein und bewegten Bildern zerstreuten wir uns kurz vor Mitternacht dann wieder in alle Windrichtungen. Doch das schöne Gefühl blieb. Mit Szenen im Kopf und Zitaten auf den Lippen wurden die ZuschauerInnen in die Nacht entlassen. Daniel klemmte sich den Beamer unter den Arm und der Bollerwagen kehrte in meinen Schuppen zurück. Mit einem abschließenden Glas Wein stießen wir auf die wunderbare Welt der freien Kulturveranstaltungen an, resümierten und schmiedeten neue Pläne. Besserer Sound wäre schön gewesen, Glühwein für die fortgeschrittenen Stunden der Frühlingsnacht und eine basisdemokratische Filmauswahl. Beim nächsten Mal vielleicht. Das Jahr ist noch jung.

„Ich habe ein Wanderkino organisiert“, sage ich.
„Ich weiß“, sagst du. „Ich war da.“
Und ich weiß, dass du wieder kommen würdest.


Dies ist die sechste Vision für Passau auf Kleinstadtgroß. Alle weiteren könnt ihr unter diesem Link finden. Die Idee an sich ist keine neue und eine solche Wanderung hat es in Passau auch schon gegeben. Nur fehlt, wie bei vielen schönen Dingen im Leben, jemand, der sich drum kümmert. Ihr habt eine Idee was Passau fehlt? Die es in anderen Städten schon gibt und Passau unglaublich bereichern würde? Wenn ihr sie hier beschrieben haben wollt, schreibt eine Mail an kontakt@kleinstadtgross.de

- Text von Almuth Nitsch -