Menschenunwürdige Zustände im Flüchtlingslager bei Ortenburg | kleinstadtgross

Menschenunwürdige Zustände im Flüchtlingslager bei Ortenburg

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Das politische Bündnis “NoBorder Passau” hat kürzlich eine Flüchtlingsunterkunft im 20 Kilometer entfernten Söldenau besucht und berichtet über menschenunwürdige Zustände. Seit Anfang 2010 setzten sich die Mitglieder für die Rechte von Asylsuchenden in Passau und Umgebung ein. Dabei unterstützen sie vor allem Geflüchtete in ihren politischen Kämpfen.

Presseinformation NoBorder Passau, 11.11.2014 

Unmenschliche Zustände in Söldenau 

In der dezentralen privat betriebenen Unterkunft in Söldenau bei Ortenburg bestreiten ungefähr 50 Geflüchtete, darunter ca. 20 Kinder und Jugendliche, aus verschiedenen Herkunftsländern ihr momentanes Leben. 

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Das Haus dient als dezentrale Unterbringung für Geflüchtete und wird privat betrieben. Das Haus war früher ein Wirtshaus; es ist sehr heruntergekommen. In zwei Stockwerken sind hier 9 Familien untergebracht – insgesamt ca. 50 Personen. Fast alle Zimmer sind von schwarzem Schimmel besetzt und an den Wänden sind große Schimmelflecken. Die Wand ist so feucht, dass sie bei Berührung abbröckelt. Die Wäsche kann nicht trocknen. In beiden Stockwerken liegt ein unerträglicher Gestank in der Luft, der durch den Schimmel hervorgerufen wird. 

Eine dort lebende afghanische Frau leidet unter chronischem Asthma, weshalb ihr der Schimmel im Haus besonders zusetzt. Sie wurde bereits mehrmals bewusstlos aufgefunden und musste ins Krankenhaus gebracht werden. 

Die Heizungen funktionieren nur teilweise auf halber Stufe oder gar nicht, obwohl in diesem Lager kranke Menschen, kleine Kinder und sogar ein 13 Tage altes Neugeborenes leben. Die Zimmertemperatur ist weit unter Durchschnitt – die BewohnerInnen können sich nur mit Decken in den Räumen aufhalten. Durch die Feuchtigkeit des Gebäudes wird dies verstärkt. 

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Das Bad im unteren Stockwerk, das sich zwei Familien teilen müssen, ist nicht gefliest und entspricht damit nicht den hygienischen Mindeststandards. Die Dusche ist undicht. Der hintere Teil des Raumes steht permanent mehrere zentimeterhoch unter Wasser, das nicht abfließen kann und auch nicht durch aufwischen zu beseitigen ist. Auch hier sind überall Schimmelflecken, die Heizungen im Badezimmer funktionieren gar nicht, sodass das Duschen bei den aktuellen Temperaturen zur Qual wird. 

Im zweiten Stockwerk teilen sich 7 Familien ein Bad und eine Dusche. 

Außer den Zuständen im Haus, stellt auch die Lage der Unterbringung ein Problem dar. Söldenau ist als Ortsteil von Ortenburg für die BewohnerInnen sehr abgeschieden. Der kaum vorhandene Handyempfang und die seltenen Busverbindungen machen es für die BewohnerInnen unmöglich, der Isolation zu entfliehen. Bei einem Notfall kann nicht sichergestellt werden, dass ein Krankenwagen gerufen werden kann. 

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Die ehrenamtlichen Deutschkurse in Passau können aufgrund der finanziellen Situation der Familien nur alle zwei Wochen besucht werden, da für sie die Buspreise zu hoch sind. 

Für die Familien, insbesondere die ca. 20 Kinder inklusive dem Neugeborenen, ist die Situation dort gesundheitlich und sozial nicht hinnehmbar. Diese Unterbringung muss sofort geschlossen werden.

In den nächsten Tagen werden rechtliche Schritte folgen, um gegen die schlechten Zustände vorzugehen.

Für weitere Infos über NoBorder Passau:

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