Das MUSIC THEATRE Passau und sein Nachwuchs | kleinstadtgross

Das MUSIC THEATRE Passau und sein Nachwuchs

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Vielen ist der Name MUSIC THEATRE in Passau ein Begriff. Doch wer und was steckt eigentlich dahinter? Ein Bargespräch mit Rückblick, Bestandsaufnahme und Zukunftsplänen…

IMG_0670Instrumente liegen kreuz und quer im Raum verteilt, Musikempfehlungen werden geteilt, auf dem Balkon warten zwei Kästen Bier, irgendwer singt immer – Am Rande einer Jam-Session treffen wir auf Matthias, Josef, Patrick, Daniel und Moritz.

Sie sind alle Botschafter der Idee, dass Verzahnung die lokalen Bands weiter bringt als Konkurrenz. Verschiedenen Bands zugehörig haben sie sich unter dem Namen MUSIC THEATER vereint um Veranstaltungen und Netzwerke an verschiedenen Orten zu organisieren. Aber Moment, MUSIC THEATRE war doch diese eine Veranstaltung im ProLi mit den vielen Bands… Ja! Auch das. Was seit der ersten Veranstaltung im Januar 2012 passiert ist, wie es überhaupt dazu kam, wer dahinter steht und warum es plötzlich noch viel mehr sind, haben wir bei einem Gespräch an der Bar erfahren:

Erster Akt: das MUSIC THEATRE in der Vergangenheit

KSG: Matthias, du bist einer der Köpfe hinter der ganzen Sache und warst von Anfang an mit dabei. Wie ist denn das MUSIC THEATER entstanden? Was war die zündende Idee?

MATTHIAS: Das MUSIC THEATER in Passau ist eigentlich aus der Idee heraus entstanden, zwei relativ voneinander losgelöste Musikerszenen miteinander zu verbinden. Da wäre zum einen der Musikerzirkel von der Uni, der vor allem dort aktiv ist und seine Fans hat. Und zum anderen gibt es einen unglaublich starken Musikerkreis innerhalb der Stadt von Einheimischen. Nun wollten wir eine gemeinsame und nicht-kommerzielle Veranstaltung schaffen, die von den beiden Musikerkreisen selbst organisiert und aufgebaut wird.

KSG: Im Januar 2012 ging dann die erste Veranstaltung an den Start. Damals war die Organisation-Crew aber noch recht leicht überschaubar.

MATTHIAS: Die Initiative ging von meinem Mitbewohner Stefan “Bobby” Josef, seines Zeichens Bandleader von  Aldrin’s Mondbar und mir aus. Wir waren inspiriert von den 2011 erstmals statt gefundenen Juniwiesn und beschlossen, nicht wieder ein Süppchen nur für die Uni zu kochen, sondern das als Grund zu nehmen auf die Musiker in der Stadt zuzugehen. Dass das Konzept dann so umgesetzt werden konnte, geht mit darauf zurück, dass wir die Familie Vesper als Partner gewinnen konnten, ihres Zeichens Eigentümer vom ProLi. Sebastian Vesper war von unserer Idee, nach mehreren Besprechungen mit wertvollen Anregungen und vielen prüfenden Fragen, so begeistert, dass es gemeinsam mit dem ProLi im Boot möglich war, den Zuschauern 9 Stunden Musik für einen Preis von 4,- bzw. 5,-€ bieten zu können. Die erste Veranstaltung wurde phänomenal angenommen, obwohl wir bis zur letzten Minute geschwitzt und gezittert haben, wie und ob der Abend angenommen wird. Dann wurde es aber so voll, dass wir teilweise Besucher leider gar nicht mehr rein lassen konnten. Für uns war es ein sehr arbeitsreicher, aber unvergesslicher Abend; für die Bands ein riesiger musikalischer Rausch, vor 500 Zuschauern zu spielen und mit einem großen Publikum zu feiern.

KSG: Und das Ganze war dann so erfolgreich, dass es nach einer Wiederholung geschrien hat und gleich die nächsten Planungen gemacht wurden?

Josef und Matthias

Josef und Matthias

MATTHIAS: Das erste MUSIC THEATRE war ein großer Erfolg, aber auch viel Arbeit auf kurze Zeit. Erst mal mussten wir das Ganze, was da an einem Abend passiert ist, verarbeiten. Vor dem Hintergrund des ersten MUSIC THEATREs, auf Nachfrage von Bands und auch vom Publikum machten wir uns schließlich wieder an die Arbeit. Und so kamen wir dann zum zweiten. Acht Monate später. Da ist dann auch Josef dazu gestoßen.

JOSEF: Das Team um Matthias überzeugte meine Band und mich (The Backdoor Beauties) vom Grundgedanken des MUSIC THEATREs, weil genau diese Herausforderung, mit anderen Bands eine Veranstaltung aufzubauen und sich dabei wirlich einmal gegenseitig austauschen zu können, in Passau fehlte. Und dieser Konkurrenzgedanke sollte auch nicht da sein, dass man sich als Bands um die Gunst der Zuhörer streiten muss, sondern sich zusammenschließt um gemeinsam mehr zu erreichen: Mehr Input, mehr Spaß und eventuell auch ein größeres Publikum. Das ursprüngliche Ziel des MUSIC THEATREs in Passau war es ja den Studentenkreis mit der einheimischen Musikszene zu vernetzen. Am Beispiel von mir ist das sehr gut gelungen. Ich bin Mitte letzten Jahres bei Aldrin’s Monbar eingestiegen und Teil des Organisationsteams für ein mögliches drittes MUSIC THEATRE Passau.

MATTHIAS: Für das MUSIC THEATRE Passau war das Jahrtausendhochwasser eine Zäsur. Das ProLi hat es erwischt und seine Zukunft ist im Moment immer noch ungewiss. Damit wurden die bisherigen Planungen für ein drittes MUSIC THEATER im ProLi leider obsolet. Trotz der anfänglichen Ratlosigkeit, sind wir uns dann des entstandenen Netzwerks und dessen Eigendynamik bewusst geworden, da Bands aus anderen Städten auf uns zu kamen und sagten: das Konzept soll nicht sterben! Wir können das auch umsetzen. Als erstes in der Reihe war dann “Searching For a Reply” aus Freyung…

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Patrick

PATRICK: Ja, genau. Wir starteten am 30. November mit dem MUSIC THEATRE BAND BASH. Ein Abend – zwei Bands. Als Gäste Aldrin’s Mondbar und wir als Gastgeber. Am Ende des Abends gab es dann ein wunderbares Special, ein kleines Mashup, verschiedene Songs von verschiedenen Musikern aus beiden Bands zusammen gespielt, aber letztendlich musizierten dann am Ende irgendwie alle zusammen auf der Bühne und es war großartig! Das hat dann auch perfekt den Gedanken der Verzahnung der Musiker wiedergespiegelt. Es fruchtete und so sind auch schon Bands wegen eines nächsten BAND BASHs auf uns zu gekommen…

Zweiter Akt: Bestandsaufnahme der Neuzeit

KSG: In Freyung hat sich also der erste MUSIC THEATER-Ableger gefunden. Und der zweite steht 90km weiter auch schon in den Startlöchern.

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Daniel

MORITZ: In Straubing bei uns, da gibt’s eigentlich nur noch eine Location in der regelmäßig Livemusik gespielt wird. Das ist das Raven. Das ist eine absolute Kultkneipe. Da finden noch drei Konzerte in der Woche statt und der Rest der Stadt ist tot. Und da das in Passau schon so gut funktioniert hat, haben wir gesagt, können wir eigentlich den Grundgedanken fast unverändert übernehmen und ein MUSIC THEATRE bei uns in Straubing veranstalten.

DANIEL: Am 24.01. um 19:00 Uhr ist Einlass, um 20:00 Uhr geht’s dann mit der ersten Band los. Das ist “Searching For a Reply” aus Freyung mit saugeilem Rock. Die zweite Band ist “Raddamadadda“. Die machen ziemlich harten Funk mit einer Bläsersektion. Das sind 8 Leute, die da auf der Bühne stehen – live ein absolutes Erlebnis. Die dritte Band ist die lokale Größe “Kreisverkehrt“. Die vierte Band ist dann “Fat Man’s Walk“. Das ist unser Projekt. Wir machen eine Mischung aus Blues, Rock und Funk. Und krönender Abschluss sind die legendären “Groovegeparden” aus Passau. Teilweise studierte Musiker. Alle Meister ihres Instruments und Meister der Improvisation.

Dritter Akt: Die schillernde Zukunft

KSG: Wie sieht es mit der Zukunft aus? Was sind die nahen und die fernen Pläne?

DANIEL: Der erste Plan ist, dass der 24. in Straubing ein genauso unvergesslicher Abend wird wie in Freyung und in Passau davor. Und dann werden wir danach schauen wie es weiter geht. Es ist definitiv noch mehr geplant.

JOSEF: Da das ProLi überschwemmt wurde, sind wir in Passau jetzt auf der Suche nach einer Ersatz-Location und wenn wir die gefunden haben, werden wir vielleicht am Ende des Jahres ein drittes MUSIC THEATRE Passau starten.

PATRICK: In Freyung wird es wieder einen BAND BASH geben. Mit der Band Lonely Spring und einer anderen Band, die jetzt noch nicht fix ist. Ungefähr im April.

MATTHIAS: Die Erfahrung hat gezeigt, dass jede Veranstaltung, ist sie noch so nervenaufreibend in der Durchführung, immer wieder neues musikalisches Gold aus den drei Flüssen heraus spült… ;-)

Der Abend war lang, laut und es gab auch das ein oder andere Bier. Schließen wir das Ganze mit diesen weisen Worten.

Mehr Infos zu kommenden Veranstaltungen gibt es hier: www.music-theatre.de

MUSIC THEATRE Straubing: Fr. 24.01.2014 –  19:00 Uhr, Raven, VVK 5,-€:  Switch-Bordershop, AK 7,-€. Die Bands des Abends sind: Searching For a ReplyRaddamadaddaKreisverkehrtFat Man’s WalkGroovegeparden. Für das leibliche Wohl sorgt die Kinderhilfe Kakadu.

– Interview von Almuth Nitsch, Fotos von Thomas Maluck -