Visionen für Passau – ein plastikfreier Supermarkt | kleinstadtgross

Visionen für Passau – ein plastikfreier Supermarkt

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Plastiktüten sind ein altbekanntes und weitverbreitetes Problemphänomen. Da ist die Handtasche mal wieder zu klein und was sind schon fünf Cent, die man da mehr zahlt um den Einkauf bequem nach Hause tragen zu können. Einige Passauer Hochschulgruppen haben schon mit trendigen Stoffbeuteln gegengelenkt, doch das ist nur der Anfang der Lösung des Problems. Ist der Einkauf erstmal zu Hause, fängt der Müll erst richtig an. Die Zucchini sind extra verpackt, der Käse scheibenweise eingewickelt, die Würstchen eingeschweißt. Und hinterher landet alles in der Tonne. Plastikfrei einkaufen ist nahezu unmöglich. Bis jetzt. In Berlin hat vor zwei Wochen der erste plastikfreie Supermarkt eröffnet. Kann diese Idee auch in Passau funktionieren?

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Kleinstadtgroß hat mit Herbert Böckling (Name und Person von der Redaktion ausgedacht) gesprochen.

Warum hat es so lange gedauert, bis für diese Idee eine Umsetzung gefunden wurde?

Menschen sind Herdentiere. Wenn es doch schon einen Weg gibt, der funktioniert, warum sollten wir dann was ändern? Dafür brauchte es erst ein paar Berliner Visionäre um das ins Rollen zu bringen. Es gab vorher schon ein paar Versuche im Ausland. Die meisten sind leider gescheitert. Bleibt zu hoffen, dass das Berliner Konzept aufgeht.

Wie funktioniert das konkret – Einkaufen ohne Plastik?

Die Waren werden im Laden in Spendersystemen aufbewahrt. Durch Knopfdruck können sie dann in selbst mitgebrachte Behältnisse, ausleihbare Boxen oder bereits recycelte Papiertüten abgefüllt werden. Gemüse und Obst liegt ähnlich wie beim Wochenmarkt einfach aus und kann direkt mitgenommen werden.

140919_OU_02Wer garantiert mir, dass die Waren auf dem Weg in den Markt plastikfrei transportiert werden?

Das garantiert Ihnen niemand. Wobei, wir sind hier in Deutschland. Wenn Sie lange genug suchen, werden Sie schon jemanden finden.

Kosten die Waren in einem plastikfreien Supermarkt mehr als in einem konventionellen?

Ja, schon. Damit muss bei so einem neuen Konzept gerechnet werden. Im Moment ist das Preisniveau ungefähr so hoch wie in einem Bio-Supermarkt. Die Theorie sagt: Die Händler sparen sich die Verpackung beim Transport und können diese Ersparnis dann vom Preis abziehen. Das Design für die Verpackung kann ebenfalls eingespart werden; im unverpackten Laden konkurrieren zum Beispiel nicht zehn verschiedene Reis-Anbieter um die Gunst des Käufers. Auf der anderen Seite sind natürlich aufwendigere Hygiene-Vorschriften zu beachten: sowohl die Spender-Boxen, als auch die Mehrweg-Behälter müssen sauber gehalten werden. Dafür haben viele der Produkte auch Bio-Qualität oder sind von regionalen Anbietern, denn das bietet sich nun mal an, um den Transport noch zu optimieren. Langfristig gesehen wäre es natürlich schön, wenn die unverpackten Supermärkte mit den verpackten mithalten könnten, um als echte Alternative zu gelten.

Kann ich im plastikfreien Supermarkt alles bekommen, was ich anderenorts auch kaufen kann? Wie ist es zum Beispiel mit Frischkäse, Bier oder Tütensuppe?

140919_OU_30Anstatt von Tütensuppe gibt es bestimmt einen Behälter aus dem man sich Suppenpulver abfüllen kann. Das Käseproblem lösen die Berliner im Moment so, dass jeden Samstag ein mobiler Käsestand in den Laden kommt. Anscheinend können so die geltenden Hygienevorschriften eingehalten werden. Und Bier gibts aus dem Zapfhahn in die mitgebrachte Flasche. Für Produkte, für die es noch keine unverpackte Variante gibt, werden eben Lösungen entwickelt. Beispielsweise werden im Berliner Laden Zahnpasta-Tabletten angeboten.

Ist so eine Art von Markt für Passau auch denkbar?

Auch die Passauer sind Herdentiere. Und dabei sind die meisten noch nicht mal besonders ökologisch anspruchsvoll. Sicher wird irgendwann jemand die Gelegenheit nutzen und auf den Bioweltverbesserer-Trend aufspringen und so ein Konzept auch in Passau versuchen. Aber das wird dauern. Von Berlin bis Passau ist es ein weiter Weg. Andererseits ist Passau auch ein ganz experimentelles Pflaster. Hier haben schon ganz andere Sachen funktioniert. Wer hätte gedacht, dass ein Laden, in dem es nur Müsli zu kaufen gibt, so erfolgreich sein kann? Es muss nur jemand damit anfangen.

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Wie bedanken uns für die Idee und die Umsetzung und hoffen auf mehr!

Hier gehts zum Ideengeber Original Unverpackt. Franchise-Interessierte sind herzlich willkommen.

Dies ist die erste Vision für Passau auf Kleinstadtgroß. In Zukunft könnt ihr weitere unter diesem Link finden. Ihr habt auch eine Idee was Passau fehlt? Die es in anderen Städten schon gibt und Passau unglaublich bereichern würde? Wenn ihr sie hier beschrieben haben wollt, schreibt eine Mail an kontakt@kleinstadtgross.de

- Text von Almuth Nitsch, Fotos von Jendrik Schröder (OU) -