POA – Zweites Kapitel der Pfingstorgie | kleinstadtgross

POA – Zweites Kapitel der Pfingstorgie

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Nach dem ersten Kapitel der Pfingstorgie folgt nun ein weiteres, in dem uns die kleinen Abenteuer und Geschichten des Pfingst-Open-Air in Staubing erzählt werden. In knapp einem Monat können wir selbst das Auto beladen und uns auf Abenteuersuche in den Unschärferelationen des Festivals begeben. Wo diese Reise hingehen kann, hat uns jemand erzählt, der schon seit mehreren Jahren Geschichten auf dem POA sammelt:

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Foto von Alexander Eckmeier

Frei nach der Heisenbergschen Unschärferelation sind die zwei komplementären Eigenschaften des POA’s nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmbar – wenn man einmal von zwei Konstanten ausgeht: Das POA zu Hauzenberg und das “neue” POA auf dem Gäuboden, lässt sich trotz einer Verzerrung des Raum-Zeit-Kontinuum in ihrer relativen (festivaltypischen) Wahrnehmung doch deutlich unterscheiden.

Deswegen ist es auch nicht sonderlich verwunderlich, dass ich einen abgetrennten Auszug aus dem letzten POA auf dem Hauzenbergschen Festivalgelände nicht in Form einer Evaluation feilbieten kann, sondern dass die narrativen Eigenschaften des Erzählers in Form eines mitbeteiligt-durchtrübten Ich-Berichts durchscheinen, indem die Existenz und die beschriebenen Handlungen von ALLEN erwähnten Personen nicht genau bestimmbar sein müssen.

Mittwochabend vor Pfingsten. Regen, Schlamm und einen Tag harten Aufbau in den Knochen. Der Cocktailstand noch ein skelletartiges Gerüst, doch das (spätere) Backstage-Catering bietet den Helfern, in gemütlich kuscheliger akkustisch gitarrengeschwängerter Hippie-Atmossphäre, Speis und Trunk(enheit). “Das Festival wird hart!”, vermittelen mir schon da meine überbordend feuernden Synapsen.

Cut – “WER, mit WEM, WO und überhaupt WIESO bin ich!?”

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“Sonntag, der letzte (offizielle) Festival-Tag!” , so brüllt mir der Kassenschichtleiter in meine Visage. Ich hätte die heutige Schicht verschlafen und solle jetzt doch den Ernst der Lage begreifen, ob meines optisch verwegenen Antlitzes (Sonnenbrille sogar zum Schlafen bis jetzt nie abgesetzt – keine Ahnung, wessen Klamotten mir in Fetzen um meinen ausgemergelten Leib hängen, etc.)

Ja, ich bin hier nicht zum Vergnügen, sondern zum Arbeiten:
Sonnenschein, 30° im Schatten, der Bayerische Wald spuckt, scheinheilig mit dem Sonntagsglockengeläut, hinter jedem Nadelbaum einen minderjährigen Teenager mit alkoholisch gegärten Getränken in Sack und Pack hervor – das nicht nur gerade in homöopathischen Dosen. Alle stehen Spalier, um wenigstens am ersten “schönen” Pfingsttag den Hauptact (Name vergessen) zu sehen. Die Kassencrew soll nicht nur die Tickets prüfen, sondern auch, ob das Glasflaschenverbot eingehalten wird. Da die gesamte Funkverbindung zusammengebrochen ist, somit auch die kommandogestützte Versorgungslinie zum Cocktailstand, entwickelt sich bei der stets durstigen Kassen-Crew ein spitzfindig dynamischer Notschlachtplan.

Foto: Alexander Eckmeier

Foto: Alexander Eckmeier

Die standardisierte “Anti-Absinth-Kontrolle” wird geboren: “Wegen der nahen tschechischen Grenze und dem damit verbundenen nicht mehr zu kontrollierendem Schmuggel von Absinth mit Thujon-Werten außerhalb der DIN-Ab-Norm 08/15, herrsche heuer ein generalisiertes Absinth-Verbot auf dem gesamten Gelände. Um dieses sach- und fachgerecht zu überprüfen, müsse jeder potenzielle Besucher seine Getränke offenherzig zeigen und jedem der speziell dafür ausgebildeten Kassencrew einen Schluck davon anbieten.”

Man was für ein Vollgasstart in den letzten Festivalmorgen für die gesamte Kassen-Crew. Ich glaube, so schnell und vor allem soviel hat von uns bis dahin wohl, hoffentlich auch nie mehr danach, niemand bunt durcheinander getrunken. Schnell ist die Stimmung an der Kasse auf dem Siedepunkt, sodass sogar der Schichtleiter sich dazu gezwungen sieht, bei unserer Absinthkontrolle die Oberaufsicht zu übernehmen.

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Auch als freiwilliger Helfer kann man viel Spaß auf dem POA haben und hinter die ein oder andere Kulisse blicken. Jedes Jahr suchen die Initiatoren Freiwillige, die für das Ticket und Verpflegung auf dem Festival arbeiten. Ob an der Straße als Einweiser, im Kassenhaus oder an der Bühne als Stagehand… überall ist was los, überall gewinnt man spannende Einblicke und gewiss sind permanent kleine oder große Begegnungen an der Tagesordnung.

Vielleicht werden noch Helfer gesucht! Meldet euch bei Interesse über die Website des Festivals bei den Veranstaltern.

- Text von Thomas Maluck, Erfahrungsbericht von Mister X, Fotos von Valentin Brandes und Alexander Eckmeier -