Eine Reise durch die Poesie: Ballett, Lyrik und Anarchie | kleinstadtgross

Eine Reise durch die Poesie: Ballett, Lyrik und Anarchie

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Die Passauer Ballettlehrerin Isabelle Logelin arbeitete vier Monate lang an einem Ballettstück für eine krebskranke Schülerin. Sie selbst erkrankte mit 19 Jahren an Krebs, hatte lange Zeit kein einfaches Leben und entwickelte dadurch paradoxerweise eine gewisse Leichtigkeit und eine Menge Energie.

Isabelle Logelin ist Besitzerin des Ballettstudios in der Theresienstraße und Ballettlehrerin. Die hoch zusammengebundenen schwarzen Haare und ein schlankes Gesicht verleihen der 50-Jährigen die gewisse Strenge. Exotisch wirkt sie nicht nur durch ihren dunklen Taint, sondern auch aufgrund ihrer temperamentvoll energetischen Art. Die Frage nach dem Ursprung dieser Energie liegt wohl vielen Menschen nach den ersten fünf Minuten auf der Zunge, lässt sich aber nur in einem längeren Gespräch mit Isabelle erahnen.

Wenn Isabelle über das Leben redet, hat man das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt: Es klingt alles so einfach, obwohl sie Dinge erlebt hat, die so manchen Lebenskünstler ins Straucheln bringen würden.

„Du bist geboren um zu Sterben. Was du auf dem Weg von einem zum anderen tust,  ist dir selbst überlassen.“

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Wenn man Isabelle so gegenüber sitzt, fällt es manchmal schwer ihr diese Leichtigkeit abzukaufen. Aber nachdem zwei Stunden vergangen sind, weiß man, dass sie kein gut pokernder Glückspilz ist, dem es aufgrund der vielen Gewinne leicht fällt so über das Leben zu reden. Diese Leichtigkeit bewegt sie dazu ihre Energie mit anderen Menschen zu teilen. Nachdem sie erfahren hat, das eine ihrer Schülerinnen an Blutkrebs erkrankt ist und deren Mutter an einem Gehirntumor leidet, entwickelte sie ein Stück, welches krebskranken Kindern zu Gute kommen soll. Am Samstag wird die Inszenierung im Rathaussaal von Passau aufgeführt. Die Hoffnung steht dabei Mittelpunkt. In Form einer Kugel wird sie von einem Lied zum nächsten und von einem Kind zum anderen gereicht.

„Die Leute müssen ihr Herz für andere öffnen! Es gibt krebskranke Mütter, die kein Geld haben. Die Therapie fehlt also und sie sterben, weil kein Geld da ist. Auf der anderen Seite gibt es stinkreiche Menschen.  Es ist wichtig die Leute zu sensibilisieren und zu sagen: „Lass einen Beitrag leisten!“. So ist das Leben oder? Es gibt Augenblicke, die sollte man nicht verpassen. Wie zum Beispiel das Ballett am Samstag.“

„Eine Reise durch die Poesie“ heißt das Geschenk an ihre Schülerin. Der Titel passt gut, denn Isabelle schafft mit ihren Gedanken und dem netten französischen Akzent eine poetische Atmosphäre. Vermischt wird das ganze mit sprühender Energie, die keinen Platz in Hierarchie und Struktur findet. Poetische Anarchie.

“Eine Reise durch die Poesie”: Samstag, 22.03.14, 18.30 Uhr, Rathaussaal Passau