Taste the waste - mit den ‘besserwissern’ im Kino | kleinstadtgross

Taste the waste – mit den ‘besserwissern’ im Kino

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Die Genossenschaft ‘besserwisser‘ präsentiert jeden Monat einen Film rund um die Themen Nachhaltigkeit, Arbeitswelt und Lebensentwürfe im ScharfrichterKino. Im September ist es „Taste the waste“ von Valentin Thurn aus dem Jahr 2011.

Dumpstered_vegetables„Taste the waste“ ist ein Film über mangelnde Wertschätzung. Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln, zu denen viele Menschen jeden Bezug verloren haben und von denen Kinder nicht mehr wissen, wo sie herkommen und wie man sie verarbeitet. Der Film geht dem massenhaften Wegwerfen von Lebensmitteln auf den Grund und stellt fest: Die Ursachen sind fehlendes Wissen und mangelndes Interesse angesichts von Überfluss.

Selbst für Zuschauer, die mit der Problematik vertraut sind, schmerzen die langen Einstellungen, die Berge von weggeworfenem Gemüse, Obst, Brot, Milchprodukten, Fleisch und anderen Lebensmitteln zeigen. Aber die Kamera hält das aus, und so müssen die Zuschauer es auch: Supermarktmitarbeiter sortieren Produkte aus, deren einziger Makel darin besteht, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum in einer Woche abläuft. Ein norddeutscher Kartoffelbauer bringt 40 bis 50 Prozent seiner Ernte nicht ein, da sie nicht der Größennorm des Handels entsprechen. Flutwellen von Brot werden auf Müllhalden gekippt. Fische in einem französischen Großmarkt sehen noch eigenartig lebendig aus, obwohl sie bereits der Kategorie „unbrauchbar“ zugeordnet wurden. Kisten von saftigen Orangen wird eine einzige überreife Frucht zu Verhängnis. Thurn zeigt so in einer Reise durch die Industriestaaten der Erde die Vielgestaltigkeit der Lebensmittelvernichtung in allen Stadien zwischen Ernte, Handel und Privathaushalten. Auf diese Weise wird klar: Das Wegwerfen von Lebensmitteln vernichtet nicht nur diese selbst, sondern zugleich auch die Ressourcen und Arbeitskraft, die in ihre Produktion gesteckt wurden, und ist daher wirtschaftlicher Unsinn!

Dabei gelingt es „Taste the waste“ geschickt, die Verbindung zu den Produktionsländern vieler unserer Nahrungsmittel aufzuzeigen: Eine Kamerunerin, die sich in Frankreich für die Verwertung weggeworfener Lebensmittel engagiert, empört sich über die Vernichtung von Lebensmitteln, welche zwar in ihrer Heimat produziert werden, die sich dort jedoch niemand leisten kann. Bananenplantagen in Südamerika müssen dem Normierungsdruck des Großhandels folgen. Dabei kommt der Film ohne den moralisierend gehobenenen Zeigefinger aus, seine Thesen sind aus sich heraus überzeugend.

„Taste the waste“ ist auch ein inspirierender Film: Er stellt Menschen vor, die kluge Alternativen zur Vernichtung entwickelt haben: Nicht verkauftes Brot lässt ein deutscher Bäcker zu Heizmaterial für die Backöfen verarbeiten, in Japan werden Essensreste zu Tierfutter recycelt und auf einem Straßenfest in Italien zeigt ein Dreigänge-Menü für 1.000 Menschen aus entsorgten Lebensmitteln nicht nur das Ausmaß der Verschwendung, sondern auch eine Möglichkeit, wie man wirkungsvoll auf das Problem aufmerksam machen kann.

Fazit: Dieser Film ist ein Muss! Weitersagen, hingehen, inspirieren lassen!

Weitere und letzte Vorstellung im ScharfrichterKino:

Mi. 10.09. um 21.30 Uhr

- Text von Doro Adlers, Fotos von Bastian Neumann und Julian -