Zu Besuch im ‘Königlichen Hoftheater Lumumba’ | kleinstadtgross

Zu Besuch im ‘Königlichen Hoftheater Lumumba’

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Das Königliche Hoftheater Lumumba findet man eingebettet in die idyllischen Kulisse der Passauer Altstadt im Steinweg 10. Gesa Peters und Susanne Kubiak haben den Laden und die im Hinterzimmer versteckte Bühne, vor einigen Jahren ins Leben gerufen. Die Puppen, die jeden Samstag im traumhaft schönen Vorführraum zum Leben erwachen, stammen alle aus Handarbeit und sind an den restlichen Tagen im kleinen Hoftheater-Laden erhältlich. Wir haben uns mit den beiden Puppenspielerinnen getroffen:

Kleinstadtgross: Woher kennt ihr euch? Wie ist der Laden und das Theater entstanden? 

Gesa: Wir haben zusammen auf dem Wochenmarkt gejobbt. Und eines Tages beim Wochenmarkt-Stammtisch haben wir beschlossen: Jetzt machen wir Puppentheater. Das war vor 14 Jahren. Wir haben mit Zwerg Nase angefangen und daran erst mal zwei Jahre rumgebastelt. Den Laden gibt es erst seit fünf Jahren. Vorher haben wir vier Jahre im Café Unterhaus gespielt. Erst mit drei verschiedenen Stücken, einmal im Monat, dann haben wir später zweimal im Monat gespielt. Einmal in der Woche machen wir erst, seit es den Laden gibt. Und ab nächstem Herbst dann zweimal in der Woche. Samstag und Sonntag.

Warum habt ihr euch Passau ausgesucht?IMG_5541 copy

Susanne: Ich hab hier Grundschullehramt studiert und wollte danach nicht gleich ins Referendariat gehen, sondern was anderes ausprobieren. So hat sich das entwickelt.

Gesa: Wir sind nach Neuhaus gezogen, weil mein Vater da eine Firma hatte. Ich bin hier in die Schule gegangen.

Wie ist der Name entstanden? Gibt es denn einen König, auf den sich das zurück führen lässt?

Susanne: Da haben wir ganz lange rumdiskutiert. Irgendwie konnten wir uns nicht einigen und waren irgendwann sehr verzweifelt. Aus der Verzweiflung heraus, haben wir immer heiße Schokolade mit Rum getrunken. Das Getränk hieß ‘Lumumba’ und so haben wir uns dann genannt. Und königliches Hoftheater hinzugefügt.

Gesa: Absurderweise gibt es keinen König. Es gibt einen Kalifen, einen Sultan, zwei Königinnen, zwei Prinzen…

Susanne: Also, wir bewegen uns schon meistens in königlichen Kreisen. Das passt schon.

Wie entstehen die Ideen zu euren Puppen? Ist da die Geschichte zuerst da oder die Puppe?IMG_5472

Susanne: Es ist immer ein anderer Prozess. Das ist auch ein wichtiger Faktor, warum wir uns für Puppentheater interessiert haben. Gesa hat schon immer sehr intensiv modelliert hat und ich habe viel gezeichnet und porträtiert. Manchmal geht es von der Figur aus, wenn man eine entwickelt und manchmal erfordert einfach das Stück, dass man noch weitere Charaktere braucht.

Spielt ihr Stücke, die es schon gibt oder entwickelt ihr auch selbst welche? Spielt ihr immer gemeinsam?

Susanne: Zum Einstieg haben wir uns an einer anderen Puppenspielerin orientiert. Daraus hat sich das selbständig weiterentwickelt. Und seit dem machen wir alles selbst. Außer die Märchen natürlich. Dass man sich da an der Märchenhandlung orientiert, ist klar. Wir improvisieren beim Spielen ganz viel und arbeiten an den Figuren. Das ist wie bei einer Soap: Da kommt man immer in andere Geschichten und so entstehen zu den gleichen Figuren immer neue Folgen. Es ist nicht schwer neue Ideen zu haben, wenn man erst mal lebendige Charaktere hat.

Gesa: Wir haben Stücke, die wir zusammen spielen, wir haben Stücke, die wir ganz alleine spielen und wir haben Stücke, die wir nur zu zweit spielen können, weil die eine der anderen assistieren muss.

Susanne: Die klassischen Stücke spielt eigentlich alle Gesa. Mir ist letztlich aufgefallen, dass ich die auch gar nicht spielen könnte. Ich hab keine Stimmen für klassisches Kasperl-Theater. Hexe kann ich nicht gescheit, Räuber könnte ich gar nicht. Ich hab einen Dieb und ein Krokodil und eine Prinzessin und einen Polizist und einen Professor. Meine Figuren sind auch super, aber eben nicht für klassische Kasperl-Theater-Stücke.

IMG_5537 copyWas macht den Reiz des Puppenspielens für euch aus?

Gesa: Ich hab als Kind gerne sowas gespielt. Und dann hab ich für meine Kinder gespielt. Das war ein fließender Übergang. Das erste Stück, Zwerg Nase, war extrem mühsam. Da war der Spaßfaktor nicht sehr hoch. Der Spaß kam erst später. Jetzt ist eigentlich das, was am meisten Spaß macht, speziell bei Kasperle und Seppl, dass sie für mich von mir unabhängig spielen. Also, ich schau denen zu. Ich hab nicht mehr das Gefühl, das bin ich. Das sind die. Und das ist der Reiz dabei.

Habt ihr Stammkinder?

Gesa: Ja. Die kommen dann immer so drei, vier Jahre und dann sind sie zu alt oder wollen nicht mehr. Manchmal kommen sie dann mit zwölf nochmal und sagen: ‚Als ich klein war, war ich bei euch im Unterhaus.‘ So als wäre das schon ewig her.

Seid ihr Kleinstadt- oder Großstadtmenschen?

Gesa: Kleinstadt! Ich bin eigentlich die Kleinstadtpflanze an sich. Du nicht so, oder? Du kannst auch mal nach München fahren.

Susanne: Also, ehrlich gesagt ist Großstadt für mich schon noch Reizüberflutung. Ich bin in einem Dorf am Chiemsee aufgewachsen und Großstadt ist für mich: zu viele Autos, zu viel U-Bahn fahren, zu anonym und zu viel Hektik. Obwohl ich mich schon langsam am München gewöhne.

Gesa: In Passau war es früher nicht so wie heute. Es war eigentlich unerträglich. Ganz eng. Ganz katholisch. Das kann man überhaupt nicht mit heute vergleichen. Dann war ich zwei Jahre in Berlin und das hatte natürlich schon einen Reiz zur Hausbesetzerzeit. Jetzt gefällt es mir hier aber total gut. Also, Kleinstadt.

Vielen Dank euch beiden!

Vorstellungen sind immer samstags. Den aktuellen Spielplan gibts hier:

Königlicher Hoftheater Laden’, Steinweg 10, 94032 Passau

 

- Interview von Almuth Nitsch, Fotos von Thomas Maluck -