Torsten Sträter – Zwischen Batman, Passau und bierbezahlenden Models | kleinstadtgross

Torsten Sträter – Zwischen Batman, Passau und bierbezahlenden Models

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Torsten Sträter ist ein Vollzeitwitz auf zwei Beinen. Als Schriftsteller, Slammer und Kabarettist ist er in ganz Deutschland unterwegs. Mit seinem Programm „Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben“ war er am Freitag zu Besuch im Scharfrichterhaus. Am Vorabend, wurde dort mit ihm und zwei weiteren Kabarettisten eine Sendung der Reihe BR2 radioSpitzen aufgezeichnet. Zwischen den beiden Auftritten hatte Sträter Zeit, Passau auch mal bei Tageslicht zu erleben.

“Ich liebe Passau. Ich hab Passau schon immer großartig gefunden, meistens schnell mit dem Zug rein, aufgetreten und wieder raus. Jetzt mal einen Tag länger hier zu haben, hat mir immer noch nicht die ganze Schönheit Passaus offenbart, aber die Mischung aus leichtem Sonnenschein, einer wunderschön historischen Kulisse, freundlichen Menschen, großartigem Kaffee und abends einem duften Auftritt, das ist schon was besonderes. Passau ist auf jeden Fall das Fantasialand Bayerns. Ich steh da richtig drauf.”

Der erste diesjährige Auftritt in Passau war am Unsinnigen Donnerstag mit sechs Teufelinnen in der ersten Reihe und am Freitag kam ein beduselter Zauberer in die Show spaziert. Offensichtlich ist gerade Fasching. Wie sieht seine persönliche Kostümidee aus?

“Batman. Weil ich finde, dass er mir charakterlich ähnlich ist. Er ist Millionär und Milliardär und Playboy und nachts geht er einer völlig anderen Tätigkeit nach. Naja, ich bin tagsüber ein unmotivierter Penner, der abends zu einer echten Stimmungskanone aufläuft. Ich finde, das passt knorke.”

Sträter ist nicht zum ersten Mal in Passau. 2012 gewann er hier das ScharfrichterBeil. Der Kabarettpreis verhalf ihm in den letzten zwei Jahren zu größeren Bühnen und mehr Publikum; um ihn dann für zwei Abende wieder auf die stadtähnlichen Dimensionen von 60 Zuschauern und einem angemessenen Altersdurchschnitt zurückzuholen. Was war denn der Grund für den Gewinn des Beils vor zwei Jahren? Wie stellt man das an?

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“Ich hatte zufällig das Glück, dass ich einer der ganz wenigen war, die weder Klavier noch ein anderes Instrument gespielt haben, noch habe ich mich kostümiert und eine Rolle gespielt; was generell eine gute Sache ist, wenn du das kannst, aber ich kann es halt nicht. Ich bin auf die Bühne gegangen und hab gesagt: Passt mal auf Freunde, ich bin heute hier im Feld der Älteste, außerdem bin ich erkältet. Ich werde jetzt Müll erzählen und dann werde ich eine Geschichte vorlesen und danach ist die Zeit vorbei. Auch die Passauer Presse konnte das kaum glauben, aber es war so. Und das hat gereicht und zwar für den Publikums- und für den Jurypreis. Das war nett, charmant.”

Obwohl in Dortmund geboren, lebt er nun in einem Dreißigtausendseelenkaff am Rande der Pottstadt. Ist er ein Kleinstadt- oder Großstadtmensch?

“Ich bin ein Kleinstadtmensch. Wie alle anderen Menschen auch, schätze ich Übersichtlichkeit. Großstadtmenschen denken immer, dass Metropolen sie künstlich erhöhen, was Quatsch ist. Sie gehen einfach in der Masse unter und verlieren die Übersicht. Oder sie sind gezwungen Großstadtmenschen zu sein, weil ihr Arbeitsplatz da ist und die Verkehrsanbindungen so super. Aber wenn es sich nicht grade um eine Stadt wie New York handelt, ist es eigentlich nur ein Nachteil sich als Großstadtmenschen zu bezeichnen und kein wirklich wertvolles Prädikat. Jeder Mensch sollte ein Kleinstadtmensch sein, der auch große Städte kennt.”  

Seine Geschichten handeln von Fleischwurst und Ziegenklöten, Zirkusponys auf Rolltreppen oder eskalierenden Diätbemühungen. Jemand der solche Geschichten erzählt, hat entweder eine blühende Phantasie oder schon viel erlebt. Was bisher noch nicht dabei war, er aber schon immer mal machen wollte, ist folgendes:

“Ich würde unheimlich gerne mit einem Zeppelin fliegen und außerdem würde ich mich gerne mal mit Christopher Walken betrinken und ich möchte aus meinem Leben ein Musical machen. Die erste Szene beginnt mit einem Choral, der aus 700 Personen besteht und der singt eigentlich nur im Kanon ein Lied darüber, dass ich gleich aufstehe. Das dauert etwa vierzig Minuten und dann stehe ich langsam auf. Und dann haben wir mehrere Gospelsängerinnen, die “Er geht pinkeln…” singen. Es wird ein sehr triviales Musical, aber musikalisch absolut großartig. Es schildert halt meinen normalen Tagesablauf. Und es endet dann damit, dass ich mir eine DVD ansehe mit Jean Claude van Dame oder Jason Stetham und mich dann hinlege. Und das alles soll orchestriert werden. Ich sehe da viel 3D, da sind Lichteffekte dabei, prominente Cameo-Auftritte, Charlie Sheen spielt beispielsweise den Postboten, all solche Dinge. In Wirklichkeit aber absolut und vollkommen uninteressant.”

Welche Frage hätte er schon immer mal gestellt bekommen wollen?

Guten Tag, ich bin Model, darf ich ihr Bier bezahlen?

Wir bedanken uns ganz herzlich für die hervorragende Zeit, die Passau mit dir hatte. Auf ein Wiedersehen im Oktober 2014! Vielleicht mit einer Hundertschaft Gospelsängerinnen. Oder Anreise in einem gelben Zeppelin.

- Interview von Almuth Nitsch, Text von Almuth Nitsch und Thomas Maluck, Fotos von Thomas Maluck -