“Vanis Pegina und die geborenen Huren” – Mo’s wahre Märchenstunde | kleinstadtgross

“Vanis Pegina und die geborenen Huren” – Mo’s wahre Märchenstunde

IMG_8547

Kleinstadtgroß auf Spuren von “NIX NEUES UND AUCH NICHT WITZIG”! Wir waren bei Maurice, einem Poetry-Slammer und jüngst auch Kabarettisten aus Passau, der uns nach seiner Premiere im Kunstwerk-Passau Rede und Antwort stand.

KSG: Du bist seit vier Jahren auf fast jedem Passauer Slam anzutreffen. Warum?

Mo: Hm. Naja. Ursprünglich, weil ich was Schönes erleben wollte, zwei Freibier kassieren wollte, mir Texte von anderen zu Gemüte führen wollte und zu Hause eben eigene Texte rumliegen hatte, die ich zwar nicht für gut befand, aber ich wusste: Das ist eh egal! Das muss keiner gut finden. Aber ich hab nen schönen Abend, wenn ich die Dinger vorlese.

KSG: Warum verlässt du diese vertraute Szene jetzt mit einem Soloprogramm?

Mo: Tu ich ja gar nicht. Das ist ja nur ein Nebenzweig, den ich aufmache. Ich war ja streng genommen nicht mal richtig in der Szene drin. Ich war vielleicht auf drei, vier auswärtigen Poetry Slams. Also meine Vorstellung ist, dass ich das nebenbei noch mehr ausbaue. Dass ich zum Beispiel rumreise und sowohl bei Poetry Slams auftrete, als auch gleich Werbung dafür mache, dass ich drei Tage später im gleichen Haus das Programm vorführe. Das machen eh viele so.

KSG: Schon wenn man den Veranstaltungsort betritt, sieht man, es passiert was heute Abend. Da gibt’s einen Spiegel, es gibt einen Wasserkocher, es gibt ein altes Radio – Was für Gedanken stecken hinter dem Bühnenbild?  Und was für ein Konzept steckt hinter dem Abend?

Mo: Ähm. Also Konzept hinter dem Bühnenbild: Ich würde mich gerne wohlfühlen und bevorzuge einfach eine Wohnzimmeratmosphäre. Nicht zuletzt deshalb, weil man auch viel Kram auf der Bühne hat, den man jetzt nicht primär nutzen will, aber jederzeit nutzen kann. Das schafft Handlungsspielräume und ist damit förderlich für den Flow, weil ansonsten kommt ein Text nach dem anderen und es geht BÄM, BÄM, BÄM und da hast du als Zuhörer irgendwann keinen Bock mehr.

KSG: Das Programm trägt den Titel „Nix Neues und auch nicht witzig“. Wenn es nix Neues gibt, bei wem klaust du dann für gewöhnlich, oder wer inspiriert dich?

Mo: Ich lass mich von allem inspirieren. Das kann man ja gar nicht vermeiden. Also sei es nun ein Kabarettist, also irgendein Auftritt von, was weiß ich: Serdar Somuncu, Hagen Rethers, Volker Pispers oder die Poetry Slammer. Oder auch, sagen wir wie bei so vielen das Leben an sich, dass einem immer einfach so passiert, ohne immer zwingend intentioniert zu sein. Aber am besten, genau, am besten sind Frauen für die Inspiration. Frauen sind super! Egal was du schreibst.

KSG: In welchem Genre siehst du dich? Eher Comedy oder Kabarett?

Mo: Comedy überhaupt nicht! Da will ich mich ganz weit weg von haben. Ich bin kein Komödiant. Ne! Das ist Unterhaltung. Auf keinen Fall. Ich finde Comedy ganz ganz furchtbar. Comedy ist RTL. Und ich bin  ein Mix aus Kabarett, Poetry Slam und Theater… Affentheater. Also wenn, dann würde ichs auf die drei Genres runterbrechen. Und Punk-Rock!

KSG: Du scheinst ein großer Freund von Vulgärsprache zu sein. Ficken, Sperma, Fotzen und Huren sind keine Seltenheit in deinen Texten. Warum so vulgär?

Mo: Ich hab damit ursprünglich angefangen, weil ich es schön fand, wie sich auf dem Poetry Slam die ganzen Kuwi-Mädchen pikiert haben. Ja, das ist eine sehr groß vertretene Gruppe beim Passauer Poetry Slam. Und jedes noch so kleine Schimpfwort wird mit einem ‘Ohooo!’ sanktioniert.

KSG: Willst du schocken?

Mo: Hm, ja auch schon, aber das schafft man auch trotzdem nicht mit den Ausdrücken. Zu Schocken ist echt schwer. Da musst du schon ganz derbe Sachen haben. Also zum Beispiel diese Mordgeschichten. Das ist eher zum Schocken, aber das war auch eher früher meine Intention. Das ist heute nicht mehr so. Es ist ganz wichtig bei diesen ganzen Ausdrücken, dass es Aufwecker sind und Marker. Dass du damit bei der Stange gehalten wirst. Weil das hält die ganze Sache interessant, beziehungsweise provokant. Und provokant finde ich, muss man schon sein und das ist halt echt schwer, weil diese ganze Sache mit den Kraftausdrücken gibt’s halt auch noch und nöcher.

KSG: Was ist deine Einstellung gegenüber der Menschheit?  Bist du eher ein Menschenfreund?

Mo: Ich bewege mich auf allen Ebenen immer zwischen beiden Extremen. Das heißt, ich bin sowohl Misanthrop als auch Philanthrop. Ich bin natürlich viel lieber Philanthrop, weil das einfach angenehmer ist. Für die Seele und fürs Herz. Aber du  kannst kein Kabarett machen, wenn du kein Misanthrop bist.

KSG: Du stellst die Menschheit aber trotzdem als etwas Widerliches, Perverses dar, indem du Fotzen, Sperma, Pimmel… verwendest. Du redest über die Menschheit in diesem vulgären Kontext. Ist so dein Menschenbild?

Mo:  Ja, es gehört auf jeden Fall dazu. Natürlich. Es gehört zur Schattenseite. Und die kann man nun mal nicht wegkehren. Im Gegenteil, man sollte sie offen legen. Man sollte sich dafür öffnen, weil erst wenn du im Schatten stehst, kannst du Licht erkennen. Und wenn das ganze Konzept nur schön wäre, dann pfffff, hat das ja gar keinen Reiz. Und es ist halt wichtig sich dem ganzen Scheiß mal zu öffnen und ihn anzunehmen. Und auch zu sagen, ja ok, es ist halt so, ich ficke einfach gern. Dazu muss man auch erst mal stehen.

KSG: Du trägst nicht nur Texte vor, sondern singst auch manchmal, was ist dein musikalischer Hintergrund?

Mo: Ich hatte neun Jahre lang ‘ne Punk-Band. Deswegen bin ich überhaupt auch zum Schreiben gekommen. Ich war da die Frontfresse der Bande, der die Texte geschrieben hat. Und ja, dadurch. Ich würde überhaupt kein Poetry Slam machen, wenn ich früher keine Punk-Band gehabt hätte.

KSG: Wie reagiert dein Publikum? Hattest du schon Erlebnisse wie Heiratsanträge oder Morddrohungen nach deinen Auftritten?

Mo: Ja, sowas in die Richtung. Sowohl als auch. Ich bin schon mal fast von der Bühne geschmissen worden, weil ich mal einen Mordtext geschrieben hab, der einfach zu derb war. Oder zu derb für dieses Publikum. In dem Text bring ich zuerst eine Person um und weil mich das noch nicht so kickt, fang ich an mich selbst zu zerschneiden und kombinier das ganze mit Geilheit. Das macht man ja nicht, weil mans blöd findet, das macht ja, weil mans geil findet. Und da kam auf den letzten vier Versen, der Poetry Slam Master und meinte: Wir sollten an der Stelle vielleicht doch, äh, abbrechen. Und das Publikum zeigte absolut konträre Reaktionen: sie waren irgendwie verstrahlt-begeistert und doch total geschockt und dann halten auch alle sichtlich Abstand von dir und da merkst du schon okay, ich habs vielleicht ein bisschen übertrieben.

KSG: Wo siehst du dich in der Zukunft? Wo gehst du mit deinem Soloprogramm hin?

Mo: In die Köpfe der Menschen! Ich will ne geile Zeit haben auf vielen Bühnen auftreten und das immer kombinieren mit meinem Bedürfnis nach kultureller Befriedigung.

KSG: Willst du zum Schluss noch was loswerden?

Mo: Vanis Pegina!

Eine kleine MO!-Kostprobe:

- Interview von Thomas Maluck und Almuth Nitsch, Bild von Thomas Maluck -