Ein Rendez-Vous mit "Le Rendez-Vous" (DJs und Veranstaltung) | kleinstadtgross

Verabredet mit “Le Rendez-Vous”

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Le Rendez-Vous” heißt die Party, die beim jungen Publikum Passaus als willkommende Abwechslung zum restlichen Mainstreambrei gelten kann. Wir haben Nicolas Bach, den planenden Mann des dreiköpfigen Teams getroffen und ihm ein paar Fragen gestellt.

Das Rendez-Vous im Cafe Museum haben die meisten ab 23 Uhr, denn zur späteren Stunde sagt dir der Türsteher, dass du entweder eine halbe Stunde warten musst oder zu betrunken bist. Die recht kleine Location in der Altstadt ist schnell gefüllt und das Kopfsteinpflaster vor dem Jazzclub ist übersäht mit leerem Wegbier. Ab und zu verlassen zu betrunkene und zu nüchterne Menschen das Café und Wartende machen sich auf den Weg zur Bar. Dort bewaffnet man sich am besten mit einem kühlen Bier und betritt die subtropische Tropfsteinhöhle altgotischen Stils. Die Kellergewölbe werden von „Le Rendez-Vous“, zwei Franzosen und einem Ivorer beschallt, die das Cafe Museum im letzten Jahr schon mehrere Male in den Ausnahmezustand versetzt haben. Statt Blues oder Jazz, besucht von eher gut situiertem Publikum, schlägt dir stilvoll, harter Elektro ins Gesicht und lässt dich die 80% Luftfeuchtigkeit vergessen.

Am 30. November  feierte „Le Rendez-Vous“ seine 10 Party mit 315 Besuchern.

KSG: Ihr habt im letzten Semester eine monatliche Veranstaltungsreihe im Cafe Museum gemacht. Warum? Wie seid ihr dazu gekommen? Was ist eure Geschichte, euer Background?

Nico: Alles fing im September 2012 an, während den O-Wochen haben wir, Germain und ich uns kennen gelernt, als wir gerade in Passau angekommen waren. Germain (22), Jurastudent aus Toulouse, sowie ich (23), Student im Bachelor angewandter Fremdsprachen an der Uni Strasbourg, haben die selbe Leidenschaft für elektronische Musik. Wir hatten beide ein ganzes Jahr als Ersamusstudenten in der Dreiflüssestadt vor uns und sind in den ersten Wochen unseres Aufenthalts fast jeden Abend unterwegs gewesen. Da Passau für unsere Verhältnisse ziemlich klein ist und deshalb die Wahl an Klubs auch begrenzt, hatten wir beide schnell die Schnauze voll. Bei mir in Strasbourg gibt es jedes Wochenende mindestens einen Abend wo ich sagen kann, den DJ will ich sehen, zuerst weil er Erfahrung hat, aber vor allem House oder Techno auflegt; Musik die mich immer wieder überraschen und faszinieren wird. Und nicht vergleichbar mit dem Kram, den man auf den meisten Radiosendern hören kann und der in Supermärkten und auf Internet-Charts als Hit bezeichnet wird.

Wir sind nicht anspruchsvoll, sondern denken, dass man wie bei einem Konzert eine Leistung verdient hat, wenn man in einem Klub geht. Deshalb ist es selbstverständlich, dass diese Leistung seinen Preis hat. Der Eintritt den man in einem Klub zahlt, sollte sich nicht darauf beschränken das Personal an der Bar, vor der Tür oder zerbrochene Gläser zahlen zu können. In Passau haben wir deshalb eine Enttäuschung nach der anderen erlebt. Jeder Klub (außer die Camera, ab und zu auch das Liquid) spielte die selbe Mainstream-Musik, was uns überhaupt nicht überzeugen konnte. Das hat uns dazu gebracht, mehr Zeit an der Bar als auf dem Dancefloor zu verbringen.

Anfang November haben wir Roch kennen gelernt, er war der Vermieter von Claire, einer Erasmus Studentin aus Nantes, die wir auch während den O-Wochen kennen gelernt haben. Roch hat eines Tages bei einer Glühbier-Einweihungs-Veranstaltung im Innsteg aufgelegt und Germain hatte sich durchgesetzt und durfte auch einige Tracks auflegen. Von Roch wussten wir zu diesem Zeitpunkt nur wenig. Doch als wir ihm erzählt haben, dass wir vor hatten unsere einige Party zu organisieren, war er sofort begeistert. Da er die besseren Kontakte in Passau hat, war er eine große Unterstützung am Anfang des Projektes.

Den Titel der Veranstaltung haben Germain und ich, als wir abends mal vom PEB heimgelaufen sind, gefunden. Wir wollten unserer Party natürlich einen französischen Akzent geben, den jedoch jeder verstehen sollte. Ziemlich schnell sind wir uns einig geworden, dass ”LE RENDEZ-VOUS” beide Kriterien erfüllt.

Die Location, sowie den Kontakt zu Andy Gerke, der uns Licht und Ton seit dem Anfang leiht, konnten wir mit der Hilfe von Roch finden. Jürgen Waldner, Geschäftsführer vom Cafe Museum, war auf der Suche nach studentischer Kundschaft und hat uns für die erste Party am 8.12.2012 seinen Segen gegeben. Startkapital hatten wir wenig und deshalb wurde es mit der Kommunikation am Anfang sehr minimalistisch. Vierzig A4 schwarz-weiß Plakate hatten wir in der Uni und in den Wohnheimen aufgehängt. Die Facebook Seite gibt es zwar schon seit der ersten Party, jedoch fehlten uns noch die “Likes”. Immerhin gab es für die erste Veranstaltung 18 Zusagen (haha). Letztendlich kammen 56 Personen zur 1. Le Rendez-Vous Party. Die meisten davon waren unsere Erasmus-Freunde. An diesem Abend hat uns Roch mit der Einladung von Wolfgang Scheibe (Perkussionist) überrascht. Dieser hatte sich vor die Kommode, die wir als Tisch für das DJ Equipment benutzt haben, gesetzt und als Roch seinen Set gespielt hat, gleichzeitig die Akzente mit seinen Trommeln gespielt.

Trotz höherer Erwartung was die Gästezahl betrifft, waren wir immerhin stolz den Verleih zahlen zu können und wir durften uns auf einen neuen Termin freuen. Ende Januar kammen ungefähr 80 Personen. Nach den Semesterferien ging es weiter mit zwei Veranstaltungen pro Monat. Da hatte sich die Info, dass die Partys von den Franzosen im Cafe Museum etwas Außergewöhnliches sind, verbreitet. Seitdem läuft es für uns immer besser.

KSG: Ihr seid DJs und Veranstalter. Wer macht was in eurem Team?

Nico: Roch ist Profi-DJ, Musikproduzent und Event-Manager. In Passau veranstaltet er das “Hakuna Matata Afrika Festival”. Sein Talent als DJ ist unbestreitbar, seine afrikanischen Wurzeln tauchen in seiner Musik immer wieder auf und die Leuten können sobald er spielt nicht mehr aufhören zu tanzen. Dank seiner Erfahrung im Veranstaltungsbusiness konnte er uns immer wieder gute Tips geben. Da er schon länger in Passau gelebt und Freundschafts- sowie Arbeitsbeziehungen geknüpft hat, konnten wir diese zu unserem Vorteil nutzen.

Germain ist Student, Hobby-DJ und Musikproduzent. Zusammen haben wir das erste Plakat erstellt. Seiner Kreativität verdanken wir dessen Grundlinien. Bevor er nach Passau kam, hat er in Toulouse schon einige Live-Acts gemacht. Man merkt heute immer noch, dass er eigentlich eine klassische Musikausbildung hinter sich hat. Musikalisch hat er sich im Laufe seines Aufenthalts in Passau entwickelt, von mir beraten und von Roch inspiriert, doch überzeugen konnte er unsere Gäste eindeutig schon seit dem Anfang.

Tatsache ist, dass ich keine musikalische Begabung habe. Allerdings ist Musik in unserem Fach eine Sache, Organisation und Ordnung eine andere. Da würde ich meine stärken einordnen. Wo Germain und Roch eher die Planung des Faktors Musik in dem ”Le Rendez-Vous” Projekt übernehmen, bin ich eher dafür zuständig, dass der Dialog zwischen uns immer einer Richtlinie folgt. Zu meiner Arbeit gehört deshalb die Planung der Events im gröbsten Sinne; also die Koordinierung unseres Kalenders, sowie der Dialog mit unseren Partnern: das Cafe Museum, Andy Gerke für die Ton- und Lichttechnik und den Verleih von CD- oder Plattenspielern, je nach Lust und Laune der DJs. Aber eben auch die Kommunikation mit unseren so wichtigen Gästen, ob auf Facebook oder durch die Herstellung der Plakate, die später in der Uni und in der Stadt verteilt werden.

KSG: Was gehört zur perfekten Veranstaltung?

Nico: Damit es zur perfekten Veranstaltung kommt, müssen einige Sachen funken. Ich will euch jetzt nicht alle Geheimnisse des Erfolgs der ”Le Rendez-Vous”-Partys verraten, jedoch ist der wichtigste Faktor im Event-Bereich, meiner Meinung nach, die Kommunikation. Wenn man mit den Partnern und der Kundschaft ein vertrautes Verhältnis aufgebaut hat, hat man schon die Hälfte des Weges geschafft. Danach kommen natürlich viele Details, die immer wieder bearbeitet werden sollten.

KSG: Ihr wohnt alle drei an verschiedenen Orten? Wie organisiert ihr euch?

Nico: Ja, genau. Strasbourg, Paris und Berlin. Für die Planung der Events in Passau haben wir bis jetzt darauf geachtet, dass alle drei zur jeder Party kommen können. Jedoch ist uns klar, dass es nicht immer der Fall sein wird. Wie kommunizieren meistens über facebook und wenn es eine Entscheidung zu treffen gibt, hat eben die Mehrheit das letzte Wort. Ansonsten heißt die Lösung bei uns Vertrauen.

KSG: Wo seht ihr euer Projekt in der Zukunft? Was sind eure Pläne?

Nico: In der nahe Zukunft wollen wir wieder öfter nach Passau kommen. Vor den Semesterferien wird es deshalb noch drei Events geben. Im April haben wir vor uns ein bisschen zu entwickeln und DJs einzuladen, die international bekannt und nachgefragt sind; DJs die technisch auf Spitzenniveau sind und vor allem eine musikalische Abwechslung nach Passau bringen könnten. Diese Entwicklung der Events in Passau, zusammen mit unseren ersten Partys in Strasbourg (ab März 2014), werden uns ermöglichen größere Projekte anzugehen.

KSG: Ihr wohnt grade in Strasbourg, Paris und Berlin und legt in Passau auf. Seid ihr eher Kleinstadt- oder Großstadtmenschen?

Nico: Ich bin in einem Dorf, 20 km südlich von Strasbourg aufgewachsen und studiere seit 5 Jahren in Strasbourg. Das Leben als Student ist dort ganz cool, das kulturelle Angebot ist umfangreich. Die verschiedenen Fakultäten liegen alle ziemlich zentral und selbst wenn die Stadt sehr groß ist, trifft man genau wie in Passau immer wieder zufällig Leute in der Straße, die man kennt. Ich würde nicht sagen, dass ich ein Großstadtmensch bin, denn richtig gewohnt habe ich da noch nie. Aber natürlich sind große Städte in dem Umfeld, in dem wir tätig sind, viel attraktiver.

KSG: Danke für das Gespräch!

Kleine Hörprobe von den Jungs:

– Text von Almuth Nitsch und Thomas Maluck, Fotos von Thomas Maluck -