Zu Besuch in der Galerie Soiz | kleinstadtgross

Zu Besuch in der Galerie Soiz

Galerie Soiz Passau

Porträt Eva Riesinger in der Soiz GalerieIn der Schustergasse 19 befindet sich seit einem Jahr Passaus einzige Galerie für zeitgenössische Fotografie. Eine Handvoll Ausstellungen sind bereits vorbei, ohne dass ich es bisher geschafft habe, eine davon zu besuchen. An einem kalten Januartag ist es dann soweit. Ich betrete die Galerie und bin zunächst alleine mit den ausgestellten Fotos. Außer mir, den Bildern und einem verwaisten Schreibtisch ist niemand da. Ich bin kein Experte für Fotokunst und für mich fühlt es sich komisch an, Fotografie in einer Galerie anzuschauen. Fotos machen heute alle und ständig. Beim Betrachten packen mich die ausgestellten Fotos aber sofort. Arizona, komprimiert in ein paar Handvoll Bildern. Fotos von selbstbewussten Menschen, wilder Natur, Restaurants am Ende der Welt und Kirchen in der Wüste mit Parkplatz. Ich bin noch am Staunen, als die Betreiberin der Galerie, Eva Riesinger, auf mich zukommt. Sie zeigt Anfang Januar bei meinem Besuch Bilder von Andrew Phelps, einem US-Amerikaner, der inzwischen in Salzburg lebt und arbeitet und der, wie ich später erfahre, unlängst in einer Ausgabe des Zeit Magazins vertreten war. Während meines Besuches erzählt sie mir vom Künstler, von den Bildern… und man merkt schnell, dass sie für diese Bilder Begeisterung empfindet.

Nach dem Besuch war ich immer noch beeindruckt, dass es jemand wagt, in unser aller Lieblingskleinstadt eine solche Galerie zu eröffnen. Wieviel Leidenschaft braucht es, um dem Passauer Publikum Fotokunst nahezubringen? Ich hatte also ein paar Fragen, und Eva Riesinger hat sie gerne beantwortet.

Kleinstadtgroß: Kannst du dich an das erste Foto erinnern, das du bewusst angeschaut hast?

Eva: Das war von der Mondlandung, glaube ich. Aber Erinnerung ist trügerisch.

Soiz Galerie PassauDie Liebe zur Fotografie hat bei dir früh begonnen?

Eva: Sicher war es keine frühe Liebe, jedenfalls keine bewusste. Ich habe mich aber schon immer für Kunst und Literatur interessiert. Ich habe dann ja auch Kunstgeschichte studiert, bin viel gereist und habe mir in vielen Städten Ausstellungen aller Art angeschaut. Irgendwann wurde mir klar, dass ich mir, wann immer möglich, Fotoausstellungen angeschaut habe. Dann habe ich angefangen privat Bilder zu sammeln. Fotokunst erzählt mir vieles über die Gesellschaft und über das Menschsein an sich – sie ist doch oft noch stärker in der Realität verankert als etwa die Malerei.

Und dann wurde aus der privaten Leidenschaft ein Beruf?

Eva: Ja, aber das war ein weiter Weg. Ich habe schon lange darüber nachgedacht, wie ich das gestalten kann und wie sich das auch finanziell halbwegs tragen könnte. Aber auch nachdem ich mich entschieden hatte, die Galerie in Passau zu eröffnen, war es noch lange hin bis zur ersten Vernissage. Es dauert, bis man einen geeigneten Raum hat. Der muss ja zum Beispiel hochwassersicher sein, aber auch die Möglichkeit bieten, die eigenen Ausstellungsideen umzusetzen. Mir ist auch klar, dass es dauern wird, bis sich die Galerie etabliert hat, Fotokunst ist ja eigentlich immer noch eher etwas für Metropolen.

Und warum hast du die Galerie dann in Passau eröffnet und nicht z.B. in München?

Eva: Weil ich hier lebe und weil Fotokunst für viele hier noch Neuland ist. Es gibt zwar auch in Passau immer mehr Fotoausstellungen, aber es gab eben keinen Ort, der sich nur diesem Thema widmet.

Deine Arbeit besteht aber nur zum Teil in deiner Anwesenheit während der Öffnungszeiten der Galerie, oder?

Andrew Phelps Soiz Galerie PassauEva: Ja klar. Man besucht Ateliers, fährt auf Messen und muss natürlich im Vorfeld einer Ausstellung viel organisieren. Außerdem verbringen Galeristen viel Zeit mit der Suche nach neuen Künstlern, die es zu entdecken gilt. Fotografen, die ich ausstelle, denen muss es schon ernst mit der Sache sein. Die müssen mehr als eine Handvoll guter Bilder haben. Sie müssen eine Bildsprache und künstlerische Konzepte entwickeln, die überzeugen. Dabei bin ich bisher nicht auf eine Richtung festgelegt. Ich möchte ja auch den Leuten, die die Galerie besuchen, erstmal zeigen, wie unterschiedlich die fotografischen Sichten auf die Welt sein können.

Hast du noch mehr Ziele?

Eva: Ich denke über vieles nach. Aktuell liegt mein Schwerpunkt schon noch eher darauf, die Galerie zu etablieren. Aber perspektivisch möchte ich auch mal raus aus der Galerie, in den öffentlichen Raum, den Kontakt mit anderen Kulturträgern in der Region verbessern.

Und fotografierst du eigentlich selbst auch?

Eva (lacht): Knipsen trifft es wohl eher. Ich finde übrigens die ganzen modernen Möglichkeiten spannend, man kann mit den neuen Handys ganz hervorragende Bilder machen, auf Instagram, Facebook oder Flickr sieht man oft wirklich gute Fotos. Dennoch ist das, was ich zeige etwas anderes. Die Galerie ist Teil des Kunstmarkts, der nach Qualität selektiert, und das ist auch gut so.

Wie siehst du die Zukunft der Fotokunst? Gibt es sie in 20 Jahren noch?

Eva: Die Grenzen zu anderen Künsten werden durch neue Technologien fließender und es wird noch mehr Vielfalt geben. Das Alte wird neben dem Neuen bestehen. Junge Künstler experimentieren derzeit viel mit alten Analogtechniken und der Markt für Fotokunstbücher boomt. Menschen mögen einfach das Haptische, weil es vermeintlich authentischer ist und vielleicht auch als Gegenreaktion auf die digitale Bilderflut. Gleichzeitig prägen uns digitale Bilderwelten enorm. Bald spazieren wir vielleicht alle zuhause mit neuer Technik durch dreidimensionale Bilder. Ob das dann noch Fotokunst ist, wäre eine Definitionsfrage, aber die interessiert mich überhaupt nicht. Die Kunst verändert sich so rasant wie die Gesellschaft und da müssen Museen und Galerien einfach mithalten.

Soiz GalerieBist du ein Großstadt- oder ein Kleinstadtmensch?

Eva: Ich habe lange in der Großstadt gelebt und ich beziehe Energie und Inspiration immer noch stark aus der Großstadt. Mittlerweile lebe ich aber gerne in der Kleinstadt, auch wenn es Jahre gedauert hat, bis ich mich hier eingelebt hatte. Von Passau würde ich mir übrigens wünschen, dass es noch mutiger darin wird, Impulse von außen zuzulassen.

Wir danken für das Interview!

Die nächste Vernissage findet am Freitag, 19. Februar ab 19 Uhr statt. Bis 17. März werden unter dem Titel „Water Matters“ Fotos von Julia Baier gezeigt, eine geborene Passauerin, die heute in Berlin lebt.

-Text von Johannes Hauck, Fotos von Johannes Hauck / Soiz Galerie-